Neue Wege gehen

Beim erneuten Lesen und Nacharbeiten des Buches von Merlin Sheldrake „Verwobenes Leben“

Verwobenes Leben als Buch (gebunden)

begegnete ich dem Verwobensein der Organismen. Zwei Anthropologinnen, Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Leben des Menschen beschäftigen, sprechen von einer „Involution – von einem Einbeziehen“.

„Während der gesamten Menschheitsgeschichte war die Partnerschaft mit anderen Organismen sowohl für Menschen als auch für alle anderen Lebewesen von großer Bedeutung. Die Beziehung des Menschen zum Getreide brachte neue Formen der Zivilisation mit sich. Die Beziehungen zu Pferden ermöglichten neue Formen des Transports. Die Beziehungen zu Hefe erlaubten neue Formen der Produktion und Verbreitung von Alkohol. In allen Fällen definierten die Menschen und ihre nicht menschlichen Partner neue Möglichkeiten. […] Die Anthropologinnen Natasha Myers und Carla Hustak […] schlagen […] das Wort ›Involution‹- von ›einbeziehen‹ […] vor. […] Für sie beschreibt der Begriff Involution viel besser das verwobene Schieben und Ziehen von ›Organismen, die ständig neue Wege erfinden, um mit-und nebeneinander zu leben‹.“ (Sheldrake 2020, S. 214)

Wenn wir jetzt unser aller Leben betrachten, gerade jetzt, was geschieht heute hier und jetzt in unserer aller Welt? Ist die Frage des Einbeziehens noch in unserer aller Geist oder existiert nur das Aussondern, Abtrennen, Abschieben, Outsourcen, Verinseln und Wegnehmen?

Outsourcing-Konzept - Lizenzfrei Outsourcing Stock-Foto

Derzeit werden Angst-Mauern gezogen zwischen Geimpft und Nicht-Geimpft. Es bestehen Trennwände zwischen Behindert und Nicht-Behindert. Es werden Räume für Sterbende und Lebende geschaffen. Kinder leben auf Inseln, die den Namen Kindergarten, Schule, Betreuung heißen. Eine gelöste Verbindung des verbundenen lebendigen Lebens nach dem Anderen. Wie sehen wir diese Räume? Nehmen wir sie wahr? Was bedeuten sie für eine Gesellschaft, für ein Land, für eine Welt?

Menschen sind unterschiedlich. Menschen können diese unendliche Vielfalt nutzen und sie können sie verdammen. Manchmal habe ich gerade derzeit das Gefühl, dass die Vielfalt der Organismen eher als Hindernis, als Bremse, als Schaden betrachtet wird, die einem lediglich Angst macht, aber sonst keinen Effekt kennt. Was sehen wir jedoch nicht, wenn wir nur zur Angst schauen? Was verbirgt sich hinter jeder einzelnen Angst? Welche Welt, fragte Chomsky, wollen wir? Eine Welt, die in immer kleinere Räume zerteilt wird? Eine Gesellschaft, deren Familienbande sich auflösen, weil Krank-Sein und die Möglichkeit sowohl des eigenen als auch das Sterben eines Liebgewonnen Schmerzen bereiten könnte?

Doch gerade die Vielfalt hat die Menschheit dahin geführt, wo sie heute steht. Gerade die Vielfalt entfaltet Lösungen, Möglichkeiten, die eine Chance sind, Schwierigkeiten zu lösen. Gerade die Vielfalt sorgt für Entwicklung, ermöglicht das Fortbestehen des lebendigen Lebens. Heute las ich im Wochenspiegel von Coburg, dass Edison am 4. September 1882 nach vielen Jahren das erste Stromnetz für einen Bereich in New York schaltete. Das ist eine Antwort der Vielfalt.

Personen, Menschen, Gesichter, Monitor, Perspektive

Ob wir Tierarten aussterben lassen, Völker ausrotten, Natur und somit Insekten- und Pflanzenwelten zerstören, ist nicht unwichtig oder egal. Ein jedes Wesen steht für Vielfalt, für Kraft, für Energie, für Lebendigkeit, für Welt. Immer nur auf ein Teil zu sehen, immer nur Reduktion zu betreiben ohne die Gesamtheit des Lebendigen im Blick zu haben, es an die erste Stelle des Handelns zu setzen, verlieren wir wertvolle Kräfte, die all unsere Fragen zu Energie, Wasser, Luft, Arbeit, Wohnen, Gemeinschaft leben, jung und alt, sterben und leben, Sprachen und Völker mit beantworten. Unser aller Leben hängt von dem Zusammenleben aller Organismen ab. Kein Steak ohne Heu. Kein Soja ohne anbauenden Hände. Keine Abwasserentsorgung ohne Leitungen. Keine Früchte ohne Wind und Insekt.

Biene auf Löwenzahn - Lizenzfrei Biene Stock-Foto

Gerade in diesen letzten eineinhalb Jahren konnten wir zusehen, wie sehr die Welt zusammenhängt. Jegliche Trennung löste sich in Luft auf. Diese winzig kleinen Wesen, die der Gruppe Viren zugeordnet werden, kennen keine Grenzen, weder staatliche noch menschliche. Es ist ein lebendiges Leben wollendes Wesen und es sucht sich seinen Lebensraum. Das wir vielleicht wie vor hunderten Jahren wie bei der Pest mit Schuld daran sind, dass diese Situation entstand, scheint fraglich. Denn, was sollten wir daran für eine Schuld tragen? Die Pest wurde doch von Ratten übertragen, aber Ratten gab es, weil die Abwässer auf den Straßen standen. Niemand machte sich Gedanken darum. Niemand schaute hin, dass dies vielleicht doch auch anders gehen könnte. In München ging Max von Pettenkofer neue Wege. Viele Hindernisse hatte er dabei zu überwinden.

Ist es nicht im Angesicht derartiger möglicher Perspektiven mehr als bedenklich, Grenzen dicht zu machen, das Sterben von Millionen von Menschen in Kauf zu nehmen, die nicht an dem Virus erkranken, sondern verhungern, an anderen Krankheiten wie vermehrt an Pocken (Indien) sterben, anstatt neue Wege zu beschreiten? Ist Impfen noch eine Antwort im 21.Jahrhundert? Sind nicht andere Wege denkbar, vorstellbar, erreichbar? Unsere körperliche und psychische Welt hält da eine unendliche Welt parat. Sollten wir nicht hinsehen, ob es nach 200 Hundert Jahren Impfen nicht noch andere Wege gibt?

Natur, Laufen, Wald, Baum, Holz, Draussen, Landschaft

Leiden der Menschen sind Leiden von Tieren und von Pflanzen. Wir hängen aneinander. Wir sind nicht unabhängig voneinander zu sehen. Ein blühender Baum in China ist genauso wichtig wie das Leben des an Aids- Erkrankten Kindes in Afrika. Sie sind menschliche Welten, deren Himmel und Erde mehr als deutlich Grenzenlosigkeit zeigt. Oder haben Sie schon einmal einen begrenzten himmlischen Kosmos gesehen?

Erst der Zusammenhalt von allen, löst unsere wirklichen Schwierigkeiten. Seltene Erden, Ressourcen wie Wasser und Luft sind keine Verkaufsschlager, sondern sind Leben. Was tun wir, wenn wir sie von uns abtrennen? Erschaffen wir so nicht erst die Möglichkeit darüber zu verfügen? Wäre hier ein Denken und Handeln von neben-und miteinander, würden wir dann nicht andere Wege gehen und Entscheidungen treffen?

Teller, Kuchengabeln, Kuchenkrümel, Alle, Aufgegessen
Nebeneinander und Miteinander. Kein Essen ohne dies.

Keiner von uns kommt mehr ohne Handy und Computer aus. Doch, dies erfordert Energie. Dies erfordert Material. Dies erfordert ein Speichermedium. Dies sind keine Dinge, die aus dem Himmel fallen. Es sind Dinge unserer aller Welt. Wir leben zusammen. Zerstören wir die Dinge und bauen uns einer Bilderwelt in Computerwelten auf, so scheint dies realistisch, aber es sind und bleiben nur Bilder.

Bilder sind nicht essbar, nicht fühlbar, nicht schmeckhaft, nicht riechbar, nicht hörbar. Das Einzige, was Bilder uns bieten, ist eine Sichtbarkeit. Und bei genauem Hinsehen können wir sogar erkennen, dass diese Bilder nicht einmal einer wirklichen sichtbaren Welt angehören, sondern nur Zahlenfolgen sind, die einer Rechenfolge folgt und somit nicht einmal verändert werden kann. Dieses eine Bild ist dieses eine Bild. Eine Variation spontan aus einem unmittelbaren Erleben existiert hier nicht. Dies würde eine neue Berechnung voraussetzen, die erst geschrieben werden muss.

Neourban, Laptop, Hardware, Computer, Keyboard, Desktop
Algorythmen

Spontanität, Impulsivität, Intuition, Direktheit, Unmittelbarkeit, Echtheit erleben, frische Lebendigkeit, ursprüngliche Lebendigkeit verliert an Kraft. Doch genau diese Kraft hat über Jahrmillionen uns alle hervorgebracht. Die Teile-Welt wie bei einer Zoom-Konferenz, in der Oberkörper und Köpfe einander sehen, aber wir keinen Geruch, Geschmack, keinerlei hörbare Körperbewegung uns von dieser anderen menschlichen Welt mehr begegnet, macht unsere Welt so klein wie sie vielleicht noch nicht war, seid wir Menschen unser aller Welt beleben.

Virtual Conference Tools > FRANK B SONDER

Wenn eine Diskriminierung, wenn eine Aussonderung, wenn eine Ausnahme zur Regel wird, was bedeutet dies für unsere Welt? Was passiert mit uns Menschen gerade? Was hindert den Menschen, die freie Entscheidung eines Menschen nicht zu respektieren, zu akzeptieren, zu bejahen? Was hindert den Menschen, eine andere Überzeugung zu vertreten? Menschliche Fragen! Philosophische Fragen! Sichtbar mehr als deutlich jetzt.

Haben wir Menschen wirklich völlig vergessen, dass diese Welt, auch die menschliche Welt mehr ist als Material? Ist MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) die ganze Welt? Wo ist KLIPH (Kunst, Literatur, Philosophie)? Was wäre, wenn KLIPH gleichberechtigt behandelt würde? Was wäre, wenn es KLIPH auch gäbe? Denn vielleicht wissen Sie es nicht, KLIPH kennt keine Schule, kein Ministerium, weil es nicht existiert. Was bedeutet dies für eine menschliche Gesellschaft?

Jeder Mensch weiß um seine Nicht-Materialität, denn wer von uns hat schon jemals seine eigenen Gedanken gesehen? Wer von uns hat sein Gefühl schon gesehen? Wer von uns hat seinen Geschmack, Geruch, Gehör, Schmerz, Freude, Glück, Trauer schon gesehen? Wir kennen nur einen Ausdruck, jedoch kein Bild. Die geistige Aktivität, deren Kraft die Unmittelbarkeit ist, der schnell auftauchende Gedanke, das in Sekundenschnelle Aufleuchten eines Gefühls, das Wahrnehmen eines Geräusches, all dies ist unsichtbare Kraft. Was verlangen wir also von uns Menschen, wenn wir plötzlich, die Entscheidung eines Menschen nicht mehr bejahen, wenn wir seine Entscheidung zwingen wollen, das Gleiche zu tun wie du selbst es tust, was verlangen wir hier?

Es ist das Aufgeben von Vielfalt, von der geistigen Kraft der Freiheit, die sich ausdrückt in Mannigfaltigkeit, in Spektren, in unterschiedlichen Räumen, in vielfältigem Reichtum. Schränken wir uns weiterhin mit Verordnungen ein, schützen wir uns nicht mehr, sondern machen uns kränklich und klein. Dann reicht ein Windstoß und wir fallen um. Kraft und Stärke entsteht durch Vielfalt, durch Verwoben-Sein, wie Sheldrake sagen würde, durch die Bejahung des vollständigen Lebens und nicht nur von Teilen. Zu einem Mit-und Nebeneinander gehört das Kennenlernen wollen dieser anderen Lebensform, das Mitteilen, einfach das Lernen wollen. Neugier. Mut. Selbstständige Fragen und selbstständige Antworten. Nicht Wissen vor Wissen, denn das hält neugierig, das bewahrt vor Vorurteilen.

Bretter, Höhe, Balancieren, Schwindelfrei, Verrückt

Wenn wir in der Zazen-Meditation sitzen, erfahren und erleben wir genau dies. Wir sehen die Verwobenheit Atemzug für Atemzug. Ohne Luft von außen keine Luft innen. Ohne Ausatmen von innen nach außen kein Überleben einer einzigen Zelle. Ohne aufrechtes Sitzen kein freier Atemraum. Wir sehen die Vielfalt Moment für Moment. Jeder Atemzug ist anders. Jeder formt sich anders, tut, was gerade notwendig ist. Diese Formung geschieht ganz von allein. Die Lösung liegt im Tun des Atems. Ihn Tun lassen, was zu tun ist. Je mehr wir regeln wollen, je mehr wir steuern wollen, je mehr wir meinen die Richtung vorgeben zu müssen, um so mehr entfernen wir uns von der einfachsten und intuitiv sofortigen richtigen Antwort.

Der eigenen Kraft zu begegnen, ist mit Zergliederung in Teilen nicht möglich, denn die Kraft ist immer schon vollständig. In diesem Sinne lassen sie uns doch einfach einmal neue Wege gehen. Wege, die nach fast 20 jähriger Vereinzelung und Teilung der Menschheit wieder die Gesamtheit im Auge hat. Ist wirklich ein Mensch allein lebensfähig?

Die Gesamtheit der Welt, ein Welt-Bürgertum eines Humboldts :„Wenn wir eine Idee bezeichnen wollen (…), so ist es die Idee der Menschheit, das Bestreben, die Grenzen, welche Vorurteile und einseitige Ansichten aller Art feindselig zwischen die Menschen gestellt, aufzuheben und die gesamte Menschheit ohne Rücksicht auf Religion, Nation und Farbe als einen großen, nahe verbrüderten Stamm, als ein zur Erreichung eines Zweckes, der freien Entwicklung innerer Kraft, bestehendes Ganzes zu behandeln. Es ist dies das letzte, äußere Ziel der Geselligkeit und zugleich die durch seine Natur selbst in ihn gelegte Richtung des Menschen auf unbestimmte Erweiterung seines Daseins“. Eine Bürger-Gesellschaft von Paul Feyerabend. Eine Welt, die nicht nur wirtschaftlich aus Geldinteressen zusammenwächst, sondern eine Welt, die menschlich zusammenwächst. Eine Welt, in der die Menschen sehen und erfahren, dass sie niemals getrennt sind von anderen und dass diese eine Welt unserer aller Welt ist, für die es sich lohnt neue und andere Wege zu gehen. Wege, die die Verantwortung kennen. Wege, die die Akzeptanz und Respektanz des Anderen, egal ob Mensch, Tier, Pflanze als das Höchste einschätzt.

Der Sinn des Lebens | Rubikon
Vielfalt. Reichtum. Lebensraumakzeptanz.

Ich wünsche uns allen einen menschlichen Reichtum, der sich in einem menschlichen Tun übersetzt. Der Philosoph Ortega y Gasset schreibt vom Menschen als utopischen Wesen, dass der Mensch durch das, was er tut, durch sein Verhalten sich erhebt. Aus diesem Grunde solle er immer wach-sam auf sich selbst sein.

Genau dies ist die Übung der Zazen-Praxis, wachsam auf sich selbst sein. Nur so können wir lernen, uns selbst zu erkennen, zu verstehen und je mehr wir von uns selbst erfahren, je mehr erfahren wir das Mensch-Sein und somit Welt-Sein.

Daher bitte ich uns alle als menschliche Wesen: Vergessen wir nicht, dass wir Menschen sind mit der Achtung und Würde mit und neben allem lebendigen Sein!

Baum des Lebens ~ Sydney Foto & Bild | australia, park ...
Was weiß ein so alter Baum, der um vieles älter wird als ein menschliches Leben?

Macht Kooperation Vertrauen?

Vor vielen Jahren begegnete mir bereits der Name Hans Peter Dürr. Viele Male dachte ich, du musst ihn lesen, Ellen. Jetzt war es soweit. Ich las sein Buch „Geist, Kosmos und Physik“, Gedanken über die Einheit des Lebens.

Hans-Peter Dürr: Geist, Kosmos und Physik: Gedanken über ...
Einfach lesen! Einfach Dabei-Sein. Einfach mitleben.

Es ist nicht nur zu empfehlen, sondern meiner Meinung nach, sollte es jeder gelesen haben, denn es ist ein überaus berührendes Buch der Menschlichkeit.

Gleich auf den ersten Seiten begegnet mir der Satz: „Macht bezieht ihre Stärke aus der Einfalt – durch Bündelung von Kräften und nicht deren Differenzierung.“

Es kribbelt in mir. Der Satz weht wie ein Sturm durch mich hindurch. Wir leben seit eineinhalb Jahren in einer Zeit, die ihre Stärke aus unserer aller Einfalt zieht. Wir sind zu Menschen geworden, die wie Herdentiere dressiert durch die Welt gehen, von Zahlen geleitet und geprägt, ohne Sinn(e) und Verstand. Wir haben uns zu einer einfältigen Masse degradieren lassen, aufgrund von Zahlen, die Fiktionen sind. Realistische Zahlen sind nicht vorhanden. Es gibt keine Statistik, die belegen kann, wie viele Menschen tatsächlich nur an diesem Virus verstorben sind. Es gibt keine Statistik, die belegen kann, wie viele Menschen tatsächlich ihr Leben verloren haben, weil wir ihnen das Essen und Trinken genommen haben durch ein einfältiges eigennütziges Verhalten als gäbe es niemanden anderen auf der Welt. (siehe auch den Beitrag „Biene Maja“ hier)

Wir produzieren Masken und Co, die dann als Müllberge in der Verbrennungsanlage laden, wenn wir Glück haben. Sie können aber auch mit dem Regen in die Abwasserkanäle gespült werden und gelangen dann als Partikel in den großen Kreislauf des Wassers. Fragten wir jetzt in Kläranlagen nach, wie viele Reste von Masken sie entdecken, wäre die Antwort sicher erschreckend. Seien wir mal ehrlich, eigentlich dürfte nicht eine einzige Maske dort landen, oder?

Grundschüler tragen im Klassenzimmer eine schützende Gesichtsmaske. Bildung während der Epidemie. - Lizenzfrei Schulgebäude Stock-Foto
Masken, überall! Ist das menschlich? Noch mehr Unsichtbarkeit?

Dürr schreibt, dass die Macht ihre Stärke aus der Einfalt bezieht, aus der Bündelung dieser Kräfte, die Differenzierung meidet. Was passiert seit über eineinhalb Jahren? Wir haben unsere Differenzierung verloren. Vereinheitlichung in Distanzlernen und Online-Veranstaltungen, die ja irgendwie immer gleich ablaufen, finden statt.

Geschäftsmann arbeitet mit Kollegen durch Videokonferenzen - Lizenzfrei Virtuelles Event Stock-Foto
Menschen werden zu Oberkörpern und Köpfe?

Kultur, die Differenzierung schafft, ist zum Schweigen verurteilt. Gruppen-und Seminar-Tätigkeiten sind in Distanz-lernenden Veranstaltungen untergegangen. Online-Präsentationen und Veranstaltungen gaukeln uns vor, dass Wissenschaft, Kunst und Kultur noch immer lebendig ist. Aber ist sie das wirklich? Wo sind die menschlichen Aus-ein-ander-setzungen, die der Menschheit in all den Jahren das Wachsen und Reifens, das Lernen, Verstehen, Begreifen, Entdecken, Forschen, Erfinden und Lebendig-Sein ermöglicht hat? Ist nicht gerade die Differenzierung des Lebens die Kraft, die uns ermöglicht zu reifen? Die unbegrenzte Potenzialität eines einzigen Menschens?

so viele Menschen ! Foto & Bild | kunstfotografie & kultur ...
Über sieben Milliarden Menschen mit ihren Gefühlen, ihrem Denken, ihren Sinnen, ihrem Körper und Geist – pure Vielfalt!

Kann ein Kind wachsen ohne den anderen Menschen, der tatsächlich anders ist als es selbst? Kann ein Getreidekorn wachsen und uns Nahrung bringen ohne das Andere und den Anderen, was tatsächlich anders ist als es selbst? Kann ein Mensch wachsen ohne den anderen Menschen und ohne das andere wesenhafte Sein? Ist nicht gerade die Vielfalt des lebendigen Lebens das, was unser Menschsein so offen, so bunt, so stark zeichnet?

Eine Macht, die die Kräfte aufgrund von Einfalt bindet, vernichtet sich über kurz oder lang selbst. Die Geschichte zeigt mehr als genug Beispiele. „Leben ist auf Kooperation aufgebaut“, schreibt Dürr. Wenn es uns nicht gelingt im Nächsten, den wirklich Nächsten zu sehen, der, der mit mir Mensch ist, der, der das gleicht mit mir teilt, Lebendigkeit und Sterben, Freude und Schmerz, wenn wir nur noch darin gefangen sind, dass der Nächste eine potenzielle Gefahr ist, dann lassen wir uns die Fähigkeit des menschlichen Mensch-Seins nehmen, lassen uns reduzieren auf eine begrenzte Einfalt von O-1-Folgen, die so wunderbar sie sind, immer begrenzt sein werden im Raum der unendlich großen Menschlichkeit. Das menschliche Wesen ist Vielfalt, ist Differenzierung, ist Kooperation, ist Nachhaltigkeit von Beginn an.

Lassen wir uns in die Einfalt pressen, nehmen wir den Verlust der menschlichen Kooperation als Fähigkeit zu reifen hin, lassen wir uns unsere „emotionale und geistige Potenzialität“ (Dürr, 55) nehmen und verhindern so nachhaltiges Werden und Sein, dann verletzen wir das Paradigma des Lebendigen, wie Dürr schreibt. „Wir sind dann nicht mehr Zweige des Lebendigen, sondern des Toten, weil wir das Prinzip der Kooperation missachtet haben.“(Dürr, 130) Wir tun dann genau das, was wir nicht wollen: Sterben!

In den vielen Jahren seit dem zweiten Weltkrieg, in den vielen Jahren des Wirtschaftswachstums, haben wir die Kooperation mit anderen Völkern der Erde vernachlässigt, wir haben ihre Bodenschätze ausgebeutet und tun dies für ein Computerzeitalter mehr denn ja. In den vielen Jahren des Entstehens einer Wohlstandsgesellschaft haben wir schon viele Kooperationen verloren. Die Kooperation mit dem Leben der Regenwälder, mit Tierwelten, die ausgestorben sind, mit dem Weltall, denn ist zu nutzen als Satelliten-Welt gibt und dabei vergessen wir, was es wirklich ist. Wir verloren die Kooperation zu den indigenen Völkern (z.B. Kogis, Eskimos, Indianer, Aborigines, usw.).

Überleben in freier Natur: Die genialen Fähigkeiten ...
Kooperation! Kooperation? Kooperation klar und selbst verstanden!

Völker, die uns lehren können, was Kooperation leben bedeutet. Wir sind jetzt jedoch so weit gegangen, dass wir Grenzen von Mensch zu Mensch aufbauten. Familien besuchen sich nicht mehr. Freunde verlieren sich. Gemeinschaften wir Sport-, Musik- und andere Vereine können ihre Gemeinsamkeit, ihr lebendiges Prinzip der Kooperation nicht lebendig halten.  

Was tun wir hier? Ich frage mich, warum die Menschen dies alles so bereitwillig hinnehmen? Was hindert sie daran für die menschliche Menschheit aufzustehen? Was bewirkt die Angst vor dem Tod? Was fürchten die Menschen wirklich? Haben wir uns so weit von uns selbst entfernt, dass wir nicht mehr wissen, dass Leben und Tod die zwei Medaillen des Lebendigen sind?

Ohne Tod kein Leben. Ohne Leben keinen Tod. Interessanterweise hat Jesus Christus dies besonders schön gesagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein.“ (Joh, 12,16-12-47)

Was bewegt Menschen sich von Menschen zu trennen, trennen zu lassen, obwohl doch wir Menschen nur menschlich sind, wenn wir gemeinsam etwas tun, wenn wir gemeinsam handeln, wenn wir gemeinsam leben und Leben und Sterben zulassen, ohne meinen wir wären die Herrgötter, die über Leben und Tod entscheiden könnten? Ist das nicht sogar ein Gebot? Was tun wir jedoch? Wir entfernen uns von der Kooperation. Wir entfernen uns von Menschlichkeit? Wir entfernen uns von der Vielfalt und unserer vielfältigen differenzierten Potenzialität. Was tun wir hier?

Sollten wir uns nicht wieder unserem kooperativen menschlichen Sein zuwenden? Dürr schreibt von seinem Optimismus für die Menschheit. Er benennt sie folgendermaßen: „Die Wenigen, die heute deutlich erkennen, dass wir aufgrund einer relativ kleinen, politisch mächtigen Minderheit uns auf einem gefährlichen Pfad der Selbstvernichtung befinden, diese Wenigen müssen nicht sechseinhalb Milliarden Menschen überzeugen, welchen Weg wir alle dringend einschlagen müssen, um die große Katastrophe zu verhindern, sondern es wird nötig sein, alle Menschen daran zu erinnern, was sie intuitiv eigentlich schon alle wissen: Den Grundprinzipien des Lebendigen zu folgen, die in den vergangenen dreieinhalb Milliarden Jahren die faszinierende, unbeschreiblich wunderbare Evolution des Lebens auf unserer Erde, uns als Menschen eingeschlossen, ermöglicht hat.“

Erinnern wir uns an unser Mensch-Sein. Seien wir wieder menschlich. Wir gehören zusammen. Familien, Freunde, Kollegen, Völker. Wir sind gemeinsam Mensch. Lasst uns bitte aufhören, Trennung vorzunehmen, die einfach unmenschlich ist.

Füße, Kinderfüße, Baby, Barfuß, Menschliche, Kinder
Nur Kinderfüße stehend auf einer Erde? Was ist die Erde? Kooperation? Vielfalft? Was sind die Füße? Kooperation? Vielfalt?

„Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach, als ein Wald, der wächst.“, so formuliert Dürr eine tibetische Weisheit. Lernen wir wieder dem Wachsen des Waldes zuzuhören, statt dem Krachen des Baumes zuzuschauen! Üben wir wieder, „was eine Millionen mal längere Geschichte uns an Differenzierung und kooperative Integration erfolgreich gelehrt hat“! (Dürr, 140)

Nehmen wir unser Mensch-Sein wieder selber in die Hand, mit allen Wenns-und aber. Bitte lasst uns wieder „Mensch- sein“, weil „Mensch-sein“ ist ein Geschenk, eine Gnade, eine Freude, eine Schönheit. Es ist die Potenzialität eines lebendigen Lebens.

Ich freue mich darauf, mit Euch mein Mensch-Sein lebendig sein zu lassen, ob im Zenhof Rödental e.V., bei den Elan-Frauen in Coburg oder hier mit diesen Zeilen, die so hoffe ich, die Herzen wieder für die Menschlichkeit öffnen, denn es lohnt sich, sagt Dürr.

„Wir brauchen den Mut, das, was wir als Menschen verkorkst haben, auch als Menschen wieder in Ordnung bringen zu können.“

In der Meditation tun wir dies immer wieder neu. Wir bringen den Mut auf, uns niederzusetzen, zu schweigen, bewegungslos dem Wachsen des eigenen Waldes zuzuschauen. Wir bringen unser Chaos in eine Ordnung, deren Verkorkstheit sich auflösen darf und kann.

Bäume, Moos, Wald, Sonnenlicht, Sonnenstrahlen, Wälder
Das Wachsen des Waldes ist langsam, aber es ist!

In diesem Sinne, steht auf als Menschen, geht als Menschen, liebt als Menschen, begreift als Menschen, fühlt euch als Menschen und entdeckt die wunderbare Welt der Vielfalt, die jeder Macht zuwiderläuft, weil sie diese nicht bündeln kann. Steht auf und lebt die bunte Vielfalt einer bunten Blumenwiese, die Insekten anzieht, Leben spendet und mit dem Vergehen neues Leben ermöglicht.

Blumenwiese, Blumen, Wiesenblumen, Wildblumen, Blühen

Ein Hoch auf die menschliche Menschlichkeit!

Ein Problem lösen

Ist Covid-19 ein Problem? Ist schwanger sein ein Problem? Ist seine Arbeit verlieren ein Problem? Ist verheiratet sein ein Problem? Ist kein Balkon haben ein Problem? Was überhaupt ist ein Problem? Kein Balkon haben, ist für den einen ein Problem, für den Anderen nicht. Ist ein Problem haben, individuell?

Ferienwohnungen, Architektur, Balkone

„Ein Problem lösen“ weiterlesen