Die Stimme einer Welt II

Buchcover: Die Unteilbarkeit der Erde, von Stephan Mögle-Stadel
Das spricht für sich! Ohne Worte!

Heute möchte ich Euch ein Buch und einen Gedanken vorstellen. Er ist schon alt, wie Berichte und die Literatur zeigen. Dennoch scheinen, wie die letzten Jahrhunderte zeigen, diese Idee, diese Vision immer wieder in eine Vergessenheit zu geraten. Offensichtlich wäre es allerdings für uns alle und damit meine ich wirklich alle und alles auf diesem Planeten und in unserem Kosmos, wenn wir diesem Gedanken einmal folgen würden.

Es ist die Idee des Welt-Bürger-Tums. Wir sind nicht einfach mehr Bürger einer Nation, sondern Bürger EINER Welt. Das Buch „Die Unteilbarkeit der Erde“ von Stephan Mögle-Stadel verfolgt diese Idee und gibt Einblicke, Ausblicke und Sichtweisen zu überdenken, die mehr als gebrauchsfähig sind – gerade jetzt!

Prof. Dr. Dr. Ossip K.Flechtheim, Begründer der Kritischen Futurologie an der Freien Universität Berlin schreibt in der Einleitung von „Die Unteilbarkeit der Erde“:

Unsere planetaren Probleme können nur ihrer Ebene entsprechend subsidiär und global gelöst werden. So entstünde ein neuartiger weltweiter Föderalismus. Ein solche Weltföderation, die auch nach mehr Bürgernähe und Demokratie, und damit nach einer stärkeren Einflußnahme von Nicht-Regierungs-Organisationen (…) verlangt, müßte überlebens-notwendigerweise mit mehr Kompetenzen ausgestattet sein als die realexistierenden ‘Vereinten Nationen’. Dazu benötigen wir Weltbürger, Menschen, welche bereit sind, die Vision von globaler Verantwortlichkeit und globaler Solidarität zu entwickeln, mehr denn je.“ (Die Unteilbarkeit der Erde 1996, S. 13) (subsidiär = größtmögliche Selbstbestimmung und Eigenverantwortung des Individuums, der Familie oder der Gemeinde) Gerade jetzt so wichtig!

Haben nicht alle Nationen der Welt dieselben Probleme? Bevölkerung? Ernährung? Wohnung? Energie? Wasser? Bildung? Arbeit? Müll? Wirtschaft? Ressourcen?

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Stephan Mögle-Stadel macht sogar darauf aufmerksam, dass „unsere Nationalstaatenpolitiker […] für die Globalen Probleme und Herausforderungen ohne welt-verfassungsrechtliches Mandat und infolgedessen im wahrsten Sinne des Wortes verantwortungslos und inkompetent [sind].“ (Die Unteilbarkeit der Erde 1996, S. 19) Manchmal denke ich, dass das gerade jetzt zu erkennen ist. Eine Bildungsform für werdende Politiker wäre also erstrebenswert. Müssen wir nicht alle unsere Berufe erlernen? Müssen wir nicht alle einen Nachweis über unsere Fähigkeiten erbringen?

Wenn wir die Welt schon im Großen nicht umfassen und uns in Nationen verlieren, was könnte uns lehren, das Große, das Ganze zu sehen? Wovon könnten wir lernen? Was ist ein föderalistischer Gedanke im Kleinen? Schauen wir uns unseren Körper und Geist an, entdecken wir ein vereinigendes und verbindendes System. Es fragt nicht, was der Unterschied ist, sondern wie können wir trotz der Unterschiede gemeinsam existieren? Wie können wir gemeinsam leben und uns gegenseitig befruchten? Wie können wir unsere Unterschiede für eine Gemeinsamkeit zu Leben erwecken?

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Der Körper und der Geist kennen Föderalismus seit Urgedenken. Die Leber kennt ihre Aufgabe im Gesamten. Der Geist kennt seine Aufgabe im Ganzen. Jedes Teil, jede Existenz in unserem Körper und Geist dient dem Gesamten. Dieses Dienen ist keine Selbstaufgabe, denn dann könnte der Körper nicht mehr existieren. Nein, dieses Dienen ist ein tuender Fluss von lebendigen Funktionen. Alles in diesem Fluss dient seiner eigenen Funktion. Je näher diese eigene Funktion zum wirkenden eigenen Selbst-Tun kommt, je mehr funktioniert das Ganze.

Die Menschheit hat sich durch mancherlei Geschehen und wissenschaftliche Entwicklungen von einem Ganzen abgehängt. Nur in wenigen Fällen erkennen wir, dass wir doch eine Menschheit, ein KörperGeist sind. Interessanterweise ganz deutlich bei Geburt und Tod.

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Wir sind ganz Ganz.

Der Autor von Unteilbarkeit der Erde weist mit Erich Fromm darauf hin, dass ‘es […] keinen Zweifel daran [gibt]: ‚Wir befinden uns noch immer in einer Stammesstruktur. Wir nennen sie Nationalismus. (…) Lernen wir es nicht, als der Eine Mensch in der Einen Welt zu leben, dann wird dieser Nationalismus Bedingungen und Situationen hervorbringen, die die Gefahr heraufbeschwören, daß der Mensch sich selbst zerstört.’ Vielleicht wächst erst nach einem Globalen Crash Test, d.h. wenn unsere weltweite Ego-Diktatur keine Habgier-Imaginationen und keine Sicherheits-Paranoia mehr zu verlieren hat, die fundamentale Kraft ganz Mensch(heit)lich zu werden.“ (Die Unteilbarkeit der Erde 1996, S. 21)

Gerade jetzt wäre das Erkennen eines Ganzen möglich. Ein Virus – eine Welt. Stattdessen ziehen wir Mauern hoch, machen Grenzen dicht, erschaffen Bestimmungen, die Menschen voneinander trennen und zeigen mit Fingern auf Schuldige, die wir dafürhalten, ohne jemals dies beweisen zu können. Eine „Sicherheits-Paranoia“ par excellence.

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Absolute Sicherheit?

Blitzt aber nicht hier mitten in dieser „Sicherheits-Paranoia“ eine neue Chance für die Idee eines Welt-Bürger-Tums auf? Die Chance einer demokratischen Weltregierung, in der die demokratischen Nationen mit ihren Eigenarten ein großes Ganzes bilden, das ein tuendes Dienen für alle mit allem durch alle in allem ist?

Ist das nicht die Vorstellung des „Ewigen Friedens“, von dem Kant schon 1796 schrieb?

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Dieser Gedanke lebte weiter in Schriften auch von Größen wie Schiller, Goethe, Herder und Humboldt. „Zum Weltbürger werden heißt, sich mit den großen Menschheitsfragen auseinanderzusetzen: sich um Frieden, Gerechtigkeit, um den Austausch der Kulturen, andere Geschlechterverhältnisse oder eine andere Beziehung zur Natur zu bemühen.“ (Humboldt, Welche Bedeutung hat das Humboldt´sche Erbe für unsere Zeit?)

Mit welcher Berechtigung wird eine gerechte und friedliche Aus-ein-ander-setzung vermieden? Was ist, wenn eine Politik erlebt, dass sie allein stehen bleibt, während die Gemeinschaft der Menschen sich für-ein-ander entscheiden, statt gegen-ein-ander?

Von einem jeden Menschen hängt dies ab. Jeder Mensch entscheidet sich Minute für Minute für ein Mit-ein-ander oder Gegen-ein-ander. Frieden entsteht nur auf eine Art!

Peter Ustinov, Schriftsteller, Schauspieler, Präsident der Bewegung der Weltföderalisten, und Sonderbotschafter des Un-Kinderhilfswerks legt in der Einleitung weiter dar:

„Das logische Ziel für die Menschheit in der Erhaltung ihrer traditionellen Identitäten ist mit Sicherheit Föderalismus. Er bedeutet kulturellen Stolz ohne nationale Arroganz, Vielfalt ohne Furcht vor Imperialismus und Achtung gegenüber allen Menschen. Das ist eine etwas andere Art zu sagen: ‘Friede’.“ (Die Unteilbarkeit der Erde 1996, S. 17)

Achtung vor allen Menschen bedeutet, ein-ander zuhören, mit-ein-ander reden. Menschen als …. zu betiteln, ist kein Mit-ein-ander, sondern ein Gegen-ein-ander!

Irgendwie scheint nun auch nach Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte die Menschheit immer noch nicht reif für ein Mit-ein-ander zu sein. Dennoch ist gerade jetzt und gerade hier wieder einmal eine Möglichkeit in der Geschichte der Menschheit, diese Vision wieder ins Licht zu heben. Als 1948 die UN gegründet wurde, wurde dieses Geschehen von dem ersten Weltbürger Garry Davis begleitet.

Eine Erde. Weltbürger Für Menschenrechte (WFM)
weltdemokratie.de

Achtung vor allen Menschen. Egal, was sie denken, glauben, hoffen, meinen. Sie sind Menschen mit dem gleichen Recht auf Leben geboren wie ein jedes Menschenkind. Schuldige zu finden für Antworten, die ein jeder eigentlich nur für sich selbst beantworten kann, ist ein Armutszeugnis an Intelligenz, Herz und Tatkraft.

Dies scheint gerade mehr der Fall zu sein als zu glauben ist. Jede Nation kämpft gegen etwas an, was nicht notwendig wäre. Ein Kontinent wie Afrika kennt das Virus, aber die Todesfälle des Virus Covid-19 sind gering, auch wenn fast kein Afrikaner geimpft ist. Nicht nur, weil diese Staaten kein Geld für den Impfstoff haben oder keine Ärzte, die die Fälle diagnostizieren (im Übrigen ähnlich wie bei uns – welcher Covid-19 Patient sieht bei uns einen Arzt in Quarantäne?), sondern auch, weil wir hier als der reiche Westen die Substanzen aufkaufen. Gleicher Mensch und gleicher Planet?

Der Planet Erde - Astronomie Lexikon - Sonnen-Sturm.info
Eine Erde. Eine Welt. Ein Planet. Ein Kosmos.

Vielleicht existiert in Afrika auch Dank alter heilender Medizin eines „kleinen Medizinmannes/Medizinfrau“ ein Überwinden der Erkrankung? Ist das, was wir hier machen, wirklich und wahrhaftig NOT – WEND-ig? Gibt es hier eine Not, die zu wenden wäre? Gibt es nicht eher eine Not, die wirklich zu wenden wäre?

„Denn wir, die bislang kosmo-politisch entmachteten Bürger dieser Erde, sind es, die in dem drohenden Systemkollaps einer planetaren verantwortungslosen Inter-Nationalität sterben müßten, wenn es nicht gelingt zuvor noch eine alternative und zukunftsweisende Organisation unserer Staatenwelt als Weltbundesstaat zu etablieren.“ (Die Unteilbarkeit der Erde 1996, S. 26)

75. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs auf Hiroshima
Wer oder was starb in Hiroshima? Menschen wie du und ich.

Nämlich die Not, dass wir Menschen, Menschen als Menschen missachten? Dass wir Menschen in Klassensysteme pressen? Dass wir Menschen immer noch nicht bewusst erfasst und erkannt haben, dass wir als Menschen, als ein Individuum unsere Verantwortung für uns selber tragen? Dass wir diese Verantwortung am besten tragen lernen, wenn wir selbst auf die Suche nach der Antwort ganz eng bei uns selbst anfangen? Nicht beim Nachbarn. Nicht beim Arbeitskollegen. Nicht beim Nächsten. Sondern immer wieder neu bei uns selbst!

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Individuum!

Muss es erst zu diesem Elend kommen bevor wir verstehen, dass wir alle auf dem gleichen Planeten sitzen? Einem Planeten, der das zeigt, was wir gestalten? Einem Planeten, der so gutmütig zu uns ist, dass er immer wieder gesunden und damit auch wir gesunden können, wenn wir ihn und uns nur lassen würden?

„Für die Realisation der Begriffe Globale Gewaltenteilung, Weltfrieden, Weltbürgertum, Weltparlament, Weltföderalismus, Weltverfassung, Weltrechtsstaatlichkeit, Weltparlament, Weltpolizei etc. sind wir alle mitverantwortlich.“ (Die Unteilbarkeit der Erde 1996, S. 26)

Derzeit sind wir auf dem besten Wege das große WIR einer einzigen Menschheit in tausenden von Stücken zu zerschlagen. Das Ergebnis könnte uns unsere Geschichte mehrfach zeigen. Aber auch hier ist es scheinbar so, als gäbe es keine Geschichte und keinen Untergang von Kulturen und Zivilisationen und auch keine Kriege, die entstanden sind durch das Zerschlagen von einem WIR.

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Heute möchte ich enden mit „Aurelio Peccei, […] ehemaliger Chefmanager des Fiat-Konzerns: […] ‚Wie könnte ich irgend etwas anderes tun, wenn ich meine Kinder und Enkel ansehe?‘ Alle Weltbürger könnten es aus dieser Perspektive sehen, tun es aber nicht. Das ist der Unterschied zwischen Peccei und den anderen, seine Sorge gilt der ganzen Menschheit.“ (Die Unteilbarkeit der Erde 1996, S. 24)

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Aurelio Peccei

Übrigens einem Dalai-Lama auch und ich hoffe noch vielen weiteren Menschen!

„Es gibt kein bestimmtes Muster oder Modell, nach dem sich alle Geschichte entwickeln muß. Ihr Verlauf wird von der Natur des kollektiven Karmas der Lebewesen in dem besonderen geschichtlichen Abschnitt bestimmt.“ (Chang 1989, S. 12)

Wir sind die Gestalter und Gestalterinnen dieser unserer Welt. Was für eine Welt wollen wir? Lassen Sie uns gemeinsam eine Welt gestalten, die wirklich die Menschen als Menschen achtet. Lassen Sie uns gemeinsam eine Welt gestalten, die eine Menschheit ist, die ein Wir für eine Erde, einen Planeten, für eine Welt leben.

Literaturverzeichnis

Chang, Garma C. C. (1989): Die buddhistische Lehre von der Ganzheit des Seins. Das holistische Weltbild der buddhistischen Philosophie. Bern: O. W. Barth Verlag.

Die Unteilbarkeit der Erde. Globale Krise, Weltbürgertum & Weltföderation ; eine Antwort an den Club of Rome (1996). Unter Mitarbeit von Stephan Mögle-Stadel. Bonn: Bouvier.

Eine Stimme für eine Welt I

In den letzten Tagen las ich viel. Dazu gehörte endlich auch das vollständige Buch „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley und „1984“ von George Orwell.

Die Besonderheit in der Geschichte „schöne neue Welt“ waren die Standardsätze, die immer wieder durch Wiederholungen lebendig wurden und schließlich von allen verinnerlicht wurden, obwohl niemand wusste, ob sie der Wirklichkeit entsprachen.

Schöne neue Welt von Aldous Huxley als Taschenbuch ...

Georges Orwells, 1984, besticht durch das Auslöschen jeglicher Vergangenheit. Die Vergangenheit eines Menschen, einer Familie, der Literatur, der Geschichte, der Nation. Es gibt sie nicht mehr. Sie wird immer wieder neu ausgelöscht und dem Tagesgeschehen angepasst. Der Held der Geschichte Winston erinnert sich aber. Nachdem er im Ministerium für Liebe gefoltert wurde, lernt er diese Erinnerungen als Täuschungen zu sehen und endet schließlich genau dort, wo die „Partei“ ihn und alle anderen haben möchten. Er liebt den Führer. Die Wirklichkeit wird zu einer Täuschung. Die Täuschung wird Wirklichkeit, durchgreifend und unwiderruflich. Das Paradoxon – die Umkehrung wird zur Normalität. Jeder, der daran zu schwächeln droht, wird unwiderbringlich zurückgeholt in die wahrhaftige Täuschung, denn es darf keinen Abtrünnigen geben, nicht einmal in Gedanken, denn das würde früher oder später zum Machtverlust führen. Jeder alternative Gedanke wird ausgemerzt. Dafür gibt es die Gedankenpolizei.

Wie schnell die Gedanken nur noch eine Richtung kennen, sehen wir aktuell. Wie schnell anders Denkende als Verschwörer, Rechtsradikale, Linke, Spinner, Verweigerer abgestempelt werden, sehen wir aktuell. Es findet keinerlei Aus-Tausch, keine Aus-ein-ander-setzung mehr statt.

Vor einiger Zeit bekam Manfred zum Geburtstag ein wertvolles Buch geschenkt, das ich nur empfehlen kann. Der Enkel von Mahatma Ghandi, Arun Gandhi hat Weisheiten seines Großvaters veröffentlicht. Zwei möchte ich hier teilen.

Wut ist ein Geschenk - (Arun Gandhi) - 978-3-8321-6470-6 ...

„Aufrichtigkeit“

Ein Nein aus tiefster Überzeugung ist besser und größer als ein Ja, das nur gefallen will oder, noch schlimmer, Schwierigkeiten umgehen möchte.“

„Charakter“

Der wahre Prüfstein, an dem sich die Größe einer Kultur ablesen lässt, ist der Charakter der Menschen, nicht ihre Kleider. Es war mir schon immer ein Rätsel, wie sich Menschen für ehrenwert halten können, wenn sie ihre Mitmenschen demütigen. Ein Grundsatz ist ein Grundsatz und darf keinesfalls verwässert werden, nur weil wir es nicht schafffen, nach ihm zu leben. Wir müssen uns bemühen, den Grundsatz zu verwirklichen, und die Mühe muss bewusst, absichtsvoll und anstrengend sein.“

Wir haben einen Grundsatz in unserer Gesellschaft, der heißt Grundgesetz. Wenn wir nicht in der Lage sind mit diesem eine Krise zu meistern, ist es um diese Kultur, wie Ghandi sagt, nicht gut bestellt. Vor vielen Jahren in unserer Geschichte gab es Wenige, die aufstanden. Hatten Sie deshalb Unrecht, obwohl Millionen Ja sagten?

Hier ein Auszug der Geschwister Scholl und Ihr Aufruf zu einem föderalistischen Europa, Flugblatt V „Aufruf an alle Deutsche!“ von Januar 1943

„Der imperialistische Machtgedanke muß, von welcher Seite er auch kommen möge, für alle Zeit unschädlich gemacht werden. Ein einseitiger preußischer Militarismus darf nie mehr zur Macht gelangen. Nur in großzügiger Zusammenarbeit der europäischen Völker kann der Boden geschaffen werden, auf welchem ein neuer Aufbau möglich sein wird. … Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen. … Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muß in Europa verschwinden. Jedes Volk, jeder einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt! Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.“

Vor 75 Jahren wurden die Geschwister Scholl hingerichtet
Ganz legal! Zum Schutz des deutschen Volkes!

Flugblatt VI, „Kommilitoninnen und Kommilitonen“, Februar 1943 nach Stalingrad

„Freiheit und Ehre! Zehn lange Jahre haben Hitler und seine Genossen die beiden herrlichen deutschen Worte bis zum Ekel ausgequetscht, abgedroschen, verdreht, wie es nur Dilettanten vermögen, die die höchsten Werte einer Nation vor die Säue werfen. Was ihnen Freiheit und Ehre gilt, das haben sie in zehn Jahren der Zerstörung aller materiellen und geistigen Freiheit, aller sittlichen Substanz im deutschen Volk genugsam gezeigt.“

Freiheit und Ehre sind Wörter einer Moral. Sie sind jedoch auch Wörter eines Rechtstaates. Sie sind auch Wörter einer Menschenrechts-Charta. Theater, Kino, Kunst, Musik, Literatur lebt von der Aus-ein-ander-setzung. Lebendige Menschen sind Menschen, die einander zuhören, die miteinander reden, die aufeinander zugehen, sich in die Augen schauen und dort die Wirklichkeit des Nächsten sehen. Der, der mit mir Mensch ist.

Es geht hier nicht um Spinner, Verweigerer oder oder. Es geht hier um die Wirklichkeit, die jedem von uns täglich begegnet.

Blind sein ist für uns leicht, Sehen ist für uns schwer.

Jerome Bruner, circa 1936 at Duke University as a junior (Image Source: The Chanticleer 1936, Wikimedia Commons)
Der Psychologe Jerome Bruner.

„Der Psychologe Jerome Bruner […] machte […] deutlich, daß wir nicht nur etwas Erwartetes leichter wahrnehmen als anderes, sondern auch besondere Schwierigkeiten haben, etwas wahrzunehmen, worauf wir nicht eingestellt sind. “ (Hayward Jeremy 1996, S. 18)

Also bitte ich einfach darum, die Augen, die Ohren offen zu halten für das, was wirklich ist, was direkt hier nebenan gesagt, gehört wird. Keine mediale Welt führt uns dies zu, sondern unsere eigenen Augen und Ohren. Die sind das Wirklichste, was wir haben. Vertrauen wir doch einfach einmal zur Abwechslung uns selbst und unserm Körper und Geist. Setzen wir mit unserem Geist das Ende dieser Zeit und vollziehen mit unserem Körper den Wandel zu einem Immunsystem, das jederzeit mit jedem verhandeln kann, wenn wir ihn einfach nur lassen.

Immunabwehr :: Plusversion :: Grafiken
Unser Körper hat schon so viele Mittel zur Verfügung. Nur muss er sie auch anwenden dürfen.

Wir leben nicht mehr im Mittelalter. Fließendes Wasser, Hygiene, noch vor 50 Jahren nicht überall anzutreffen, ist heute in unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Medizinische Versorgung, seit 1944 gibt es erst Penicillin für alle, ist überall zur Verfügung hier bei uns. Wovor fürchten wir uns wirklich?

Warum leben wir nicht einfach den Artikel 1 der Menschenrechts-Charta von 1948?

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“

Menschenrechte sind wichtiger als Wirtschaftsbeziehungen ...

Literaturverzeichnis

Hayward Jeremy (1996): Die Erforschung der Innenwelten. Neue Wege zum wissenschaftlichen Verständnis von Wahrnehmung, Erkennen und Bewußtsein. 1. Auflage. Frankfurt a.M.: Insel-Verl.

Ein offener Brief, 9. Dezember 2021

Dieser Brief ging per Einschreiben am 14. Dezember 2021 an den Bundeskanzler Olaf Scholz.

Liebe,…, lieber…

Dieser Brief wird von einem Menschen geschrieben für Menschen. Dieser Mensch ist 61 Jahre alt. Er ist Bürger in Europa. Er ist Bürger in Deutschland.

Dieser Mensch hat den Namen Ellen und für alle, die mich wirklich kennen gelernt haben, wissen, dass ich weit davon entfernt bin, rechtsradikal, links oder Verschwörerin zu sein. Ich bin einfach ein Mensch, der den Menschen zuhört, der sie ansieht, der sie spürt als Mensch. Die Portugiesen sagen zu ihrem Nächsten, das ist der Mensch, der mir am ähnlichsten ist. Ein schöner Gedanke in unserer jetzigen Zeit. Der Mensch, der mit mir Mensch ist. Dabei interessiert keine Hautfarbe, keine Krankheit, keine Gesundheit, überhaupt kein Status. Das Einzige, was zählt ist: es ist ein Mensch. Ein Mensch, der lachen und weinen kann. Ein Mensch, der traurig und glücklich sein kann. Ein Mensch, der Sehnsucht und Zufriedenheit kennt. All dies auch noch bei über 7 Milliarden Menschen absolut individuell. Wir sind in unserer Menschheit das Vielfältigste, was wir kennen. Daraus resultieren Wissen, Erkenntnisse, Erfahrungen, Erfindungen und Entwicklungen. Die Vielfalt ist unendlich groß. Sie ist unbegrenzt.

Wenn ich jetzt als Mensch folgendes frage, dann sind diese Fragen nicht einfach nur ein Wissen wollen, sondern diese Fragen sind in mir entstanden, weil ich den Menschen zuhöre und zugehört habe.

Fragen:

Seit wann ist ein Arbeitnehmer kein guter Arbeitnehmer mehr, wenn er den Status nicht geimpft trägt? Seit wann darf ein Arbeitgeber nach dem Gesundheitszustand seines Arbeitnehmers fragen? Arbeitsrecht, wo bist du geblieben?

Seit wann entscheidet über die Qualität einer Fachkraft ein Impfstatus? Welche Qualitäten werden hier gefordert?

Mit welcher Begründung fällt das Arbeitsrecht unter den Tisch? Kündigungen, Nicht-Einstellungen geknüpft an einen Status, der wirklich gar nichts mit der fachlichen Qualität und Güte zu tun hat? Grundrecht-und Arbeitsrechtsverletzungen?

Mit welcher ethischen Einstellung verneint ein Arzt die Behandlung eines Ungeimpften? Mit welch einer Berechtigung verneint ein Arzt eine für die Gesunderhaltung des Patienten notwendige Blutuntersuchung mit dem Hinweis, man wolle die Krankenkassen nicht überbelasten? Mit welch einer moralisch und ich sage zusätzlich christlichen Einstellung werden kranke Menschen draußen auf der Straße stehen gelassen und das in einem kranken Zustand? Wo ist der Eid des Hippokrates geblieben?

Mit welcher Vorstellung fordern Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern eine Impfung? Sind diese Arbeitnehmer plötzlich schlechtere Arbeitnehmer? Arbeiten sie plötzlich nicht mehr? Was nimmt sich hier ein Arbeitgeber heraus? Wo sind hier die Gewerkschaften geblieben, die sich für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen? Streik?

Mit welch einer Berechtigung werden junge Studierende von ihren Prüfungen ferngehalten, weil sie über den gewünschten Gesundheitszustand nicht verfügen? Mit welch einer Berechtigung wird jungen Menschen unter diesen Umständen Bildung verwehrt?

Mit welcher Berechtigung wird mir als Bürger der Zutritt zu einer öffentlichen Bibliothek und öffentlichen Verkehrsmittel verwehrt? Öffentlich!

Und zum wahrhaftigen Schluss die bedeutendste Frage: Warum werden Menschen, die durch das Virus erkranken daheim ohne ärztliche Versorgung unbetreut allein gelassen? Warum werden die von der EU zugelassenen Medikamente nicht verteilt? Dies ist unterlassene Hilfeleistung per excellence.

All diese Dinge, die ich hier hinterfrage, sind mir in den letzten Wochen und Monaten begegnet. Ich selbst sollte bei der VHS als Dozentin den Status von Teilnehmenden überprüfen und sollte dafür sogar für jedes Kreuzchen 2 Euro mehr erhalten. Ich habe dies abgelehnt. Mich geht der Gesundheitszustand eines Menschen nichts an. Ich frage weder nach HIV, noch nach Hepatitis, noch nach Ebstein-Barr-Virus, noch nach Krebsviren.

Grundgesetz: Was genau bedeutet Artikel 1? | Inforadio
Aller Menschen! Ohne Ausnahmen!

Wie steht es in unserem Grundgesetz: Alle Menschen sind gleich. Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Ich habe 12 Jahre als Kinderkrankenschwester auf Isolierstationen und Intensivstationen gearbeitet. Mir vorzuwerfen, ich wüsste nicht, was ich sage und in welchen Kreisen ich mich bewege, ist moralisch unverschämt. Ich habe 12 Jahre als Lehrerin für Mathematik und Ökotrophologie gearbeitet und sogar Mathematiklehrer ausgebildet. Mir vorzuwerfen, ich hätte keine Ahnung als Philosophin von weltlichen Abläufen, sollte diese 24 Jahre Berufstätigkeit erst einmal nachweisen. Wo sind die wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten 100 Jahre in Pädagogik, Soziologie, Psychologie und auch der Philosophie geblieben? Sind dies plötzlich keine Wissenschaften mehr? Welche Wissenschaft darf überhaupt noch den Mund aufmachen? Welche wird noch anerkannt? Es gab einmal so etwas wie eine Aus-ein-ander-setzung. Alle suchten sich zu einigen. Werden jedoch Wissenschaftler von einer Diskussion für wichtige Entscheidungen ferngehalten, wer oder was entscheidet dann in welchem Sinne?

Wenn ein Staat hergeht und ein Gesetz zum Schutz des Volkes erlässt, obwohl keinerlei andere Möglichkeiten in Erwägung gezogen wurden, obwohl es deren gibt, so stellt sich unwillkürlich die Frage nach einer Absicht. Das tun übrigens Verschwörungstheoretiker. Ich unterstelle keine Absicht, aber ich sehe, dass jetzt nach fast zwei Jahren viele machthungrige Menschen diese Situation der Menschen und ihre Angst ausnutzen. Dies ist so menschlich wie Barmherzigkeit. Dennoch sollte uns die Aufklärung und eine nationalsozialistische Vergangenheit gezeigt haben, wohin die Spaltung einer Gesellschaft führt.

Wenn ein Staat hergeht und durch dieses Gesetz das Land in den Ausnahmezustand versetzt und diesen auch nicht wieder auflöst, entsteht unwillkürlich gerade in einem Land wie dem Unsrigen die Frage: Habt ihr die Geschichte vergessen? Unter unseren geschichtlichen Umständen hätte die Wahl des Ausnahmezustandes niemals ergriffen werden dürfen, so meine persönliche Meinung.

Wenn ein Staat hergeht und der Verwaltung Verordnungen und Regeln auf allen institutionellen Ebenen überstülpt, die von allen eingehalten werden müssen unter Androhung von Strafe, dann darf die Frage gestellt werden: Was passiert hier? Wann gab es so etwas schon einmal? Was ist mit unserer Legislative, Exekutive, Judikative, die durch ihre Ungetrenntheit die Demokratie sichert, die jetzt durch den Ausnahmezustand aufgehoben ist?

Wenn ein Staat dann noch erlaubt, dass die Gesellschaft in eine Spaltung läuft und diese noch unterstützt durch Zwangsregeln und Zwangsmaßnahmen, ist die Frage erlaubt, warum eine Gesellschaft einen Schuldigen braucht? Gerade jetzt, wo es doch um die Gesundheit von allen geht.

Jesus am Kreuz - Team 01 timeline | Timetoast timelines
Verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Das, was jetzt passiert, ist in der Geschichte der Menschheit tausende Male passiert und endete niemals gut. Jesus Christus betete am Kreuz: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukasevangelium, 23,33)

Was war Jesus? Er war ein Mensch, der nicht den Massen folgte, sondern die Liebe ins Leben setzte. Die Liebe zu den Mitmenschen. Wo ist sie jetzt, die Liebe zu den Ungeimpften, die nichts Anderes tun, als ihr Recht und ihre Freiheit in Anspruch nehmen, wie das jeder andere hätte auch tun können, denn die Politik hat sich aus der Verantwortung genommen. Sie hat sogar die Pharmakonzerne ihrer Verantwortung entbunden, weil es ja eine Notzulassung eines Medikamentes ist, dessen Erforschung nicht abgeschlossen ist. Wo ist die Liebe zu dem Mit-Mir-Mensch-Seienden?

Als im Mittelalter die Pest ausbrach, machte man die Seher, die Heiler, die Hexen und Magier dafür verantwortlich und richtete sie hin. Doch, waren sie die Schuldigen?

Wenn es hier eine Schuld gibt, dann ist es unsere gemeinsame Schuld. Für unsere Konsumhaltung, für unseren Lebensstandard. Für unseren Luxus nehmen wir in Kauf, dass Wälder sterben, Tiere aussterben, Pflanzen verschwinden, Menschen im Elend leben und Kinder verhungern. Übrigens im deutschen Wirtschaftsbericht von 2020 nachlesbar, dass wir durch das, was wir gerade tun, weltweit eine der größten Hungersnöte unter Kindern auslösen, weil Eltern keine Arbeit mehr finden.

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Der Grundwert ist die Bezugsgröße schlechthin!

Es stellt sich einmal mehr die Frage nach der Relation. Jeder Relation hat einen Grundwert, auf den sich die Aussage bezieht. Dieser Grundwert ist seit über einem Jahr völlig aus den Augen geraten. Bitte, tut mir einen Gefallen. Seht euch die Grundwerte an, die Werte, auf die sich sämtliche Zahlen beziehen. Bitte. Das statistische Bundesamt ist eine wunderbare Zahlenquelle und wenn dann noch einfache Prozentrechnung beherrscht wird, dann könnt ihr berechnen, wie hoch die Sterblichkeit in Deutschland, in Europa an dem Virus ist. Ihr werdet feststellen, dass dies nicht rechtfertigt, dass sich junge Menschen das Leben nehmen, weil sie diese Welt nicht mehr für lebenswert halten. Dies ist eine Wahrheit. Sie ist so geschehen. Es rechtfertigt auch nicht ein Inkaufnehmen einer wieder steigenden Kindersterblichkeit durch Hunger. Diese Zahl rechtfertigt auch nicht den Anstieg der psychischen Erkrankungen, weil die Lebens-und Arbeitsbedingungen unzumutbar werden. Diese Zahl rechtfertigt auch nicht den Verlust unserer analogen Welt, wie den öffentlichen Marktplatz und die City einer Stadt.

Prozentrechnung - YouTube
Einsetzen und loslegen!

Wir sind die Gestalter unserer Welt. Wenn wir beginnen mit dem Finger auf den uns nächsten Menschen zu zeigen, dann willkommen in einer Welt von Hass, Lieblosigkeit, Gewalt und Terror, mit der Gefahr eines Bürgerkrieges oder weltweiten Krieges wegen wachsender Ungleichheit. Die Politik nach dem Krieg war bemüht, Ungleichheiten aufzulösen. Daher gibt es eine United Nation, eine Europäische Union, einen europäischen Gerichtshof, eine WHO. Wenn wir jetzt dies alles wegen einer Erkrankung, an der wirklich Menschen erkranken, aber die überwiegende Mehrheit auch gesundet, dann ist die Frage berechtigt:

Was erlauben sich die Menschen, sich von Krankheit zu entfernen? Krankheit ist eines der wichtigsten Bausteine für die Menschheit gewesen. Hätten die Menschheit keine Krankheit gesehen, gäbe es keine Immunprozesse und wir wären bereits längst ausgestorben. Hätte die Menschheit die Krankheit nicht, wäre unbekannt was Ethik, Moral, Nächstenliebe ist.

Haben wir uns schon so weit davon entfernt, dass wir Krankheit nicht mehr zum normalen menschlichen Leben zählen? Wie ist es mit dem Sterben? Dem Tod unser aller Ende dieses Lebens. Er ist da. Er ist niemals fort. Warum sollten wir uns also fürchten?

Ja, wir Menschen lieben unsere Kinder, Eltern, Freunde. Wir wollen niemanden verlieren und dennoch geschieht es. Das ist lebendiges Leben.

Freunde fürs Leben Foto & Bild | kinder, kinder ab 2 ...
Wir lieben unsere Freunde.

In den letzten Jahrzehnten haben wir immer mehr Inseln der Vergessenen geschaffen. In Behinderteneinrichtungen werden Behinderte betreut. In Krankenhäusern und speziellen Onkologiestationen werden Krebspatienten behandelt. In Hospizen und Palliativstationen sterben Menschen. Kinder leben auf den Inseln des Kindergartens, der Schule und vielleicht in Sportvereinen und kulturellen Einrichtungen. Alte Menschen leben in Senioreneinrichtungen. Es ist tatsächlich gelungen für jeden anders gearteten Menschen in unserer Gesellschaft eine derartige Insel zu schaffen, so dass das Alltagsleben, das „normale Leben“ nicht davon gestört wird. Kein Blick darauf. Kein Hören davon. Doch diese Menschen sind hier. Diese Menschen leiden jetzt besonders.

Wir sind alle Menschen mit Gefühlen, Sinnen und voller Leben und voller Sterben. Wir sollten nicht nach Mitteln schauen, die uns implantiert werden, sondern wir sollten schauen, wie es möglich war, dass ein Virus aufersteht, dass die ganze Welt ohne Grenzen umwandern kann?

Was haben wir getan? Was können wir tun, damit wir in Frieden miteinander leben können? Die Antwort ist sicherlich keine Waffe (Plakat in Deutschland: eine Armbrust schießt die Impfdosis in den Arm), sondern ein Tun, das die Erde friedlich stimmt. Ein Tun, das unser aller Tun überprüft. Ein Tun, das darauf ausgerichtet ist, so wenig wie möglich Schaden anzurichten.

Derzeit tut die Menschheit genau dies nicht. Die Menschen unterziehen sich einer Injektion und meinen, dass sie ihr Leben weiter so leben können wie bisher. Sie wollen ihren Status  behalten.

Und noch etwas wollen die Menschen behalten, ihr Geld, ihren Reichtum. Doch, bitte schaut auch hier einmal genau hin! Welche Themen gab es vor dem Virus? Das war Digitalisierung, KI und Klima. Wo stehen wir jetzt?

Daten gibt es nun ohne Ende. Es gibt Digitalisierung ohne Ende. Die Roboter fahren in Kliniken die Speisewagen rum und die ersten Altenheime machen Experimente mit ihnen und der Betreuung von alten Menschen. Klima? Müllberge wie noch nie. Strom-Energieverbrauch unbekannten Ausmaßes. Eine Cloud, ein Server ist nicht irgendwo im Weltall, sondern hier auf dieser Erde und braucht viel viel Energie! Wo kommt die her?

Ein Server. Eine Cloud.

Wer oder was verdient hier? Wer oder was verliert hier?

Wir sind Menschen mit der gesamten großen menschlichen Vielfalt. Wollen wir uns wirklich reduzieren lassen auf eine G-Welt?

Menschengruppen zu diskriminieren ist keine Lösung eines Krankheitsproblems. Eine Diskriminierung führt zu Gewalt. Schaut euch die Geschichte an. Nord-Irland – katholisch-evangelisch. Stämme in Afrika. Afghanistan. Israel. Eine Spaltung einer Gesellschaft führt zu einer Zerstörung. Daher bitte ich alle Menschen inständig, diese Spaltung sofort aufzuheben und ihrem eigenen Geist zu vertrauen. Habt den Mut euch eures eigenen Verstandes zu bedienen. Wenn die eine Seite wahr ist, ist es die andere auch. Dort, wo die Mitte ist, gibt es keine Seite mehr. Dort, wo die Mitte ist, sind wir alle gleich, so wie es unser Grundgesetz sagt. Wir brauchen kein Infektionsschutzgesetz und keinen Ausnahmezustand. Wir brauchen unser Grundgesetz und das ist bereits die Grundlage unseres Staates. Eine Politik hat keine andere Aufgabe als dieses Grundgesetz als das Höchste zu erachten, was es gibt und danach zu handeln auch in Krisenzeiten. Es ist bereits die Basis, nach der zu handeln vorgegeben ist.

Geschichte der Menschenrechte: Die Allgemeine Erklärung ...
Für alle!

Gerade dann beweist sich der Halt dieses Grundgesetzes. Eine Politik des Vertrauens kann dann auch mit gutem Gewissen mit dem Rückhalt des Grundgesetzes, Haltungen begründen, Fehler eingestehen, sich entschuldigen und neue Wege gehen, so wie es ein Max von Pettenkofer in München in der Cholera-Epidemie getan hat. Doch sollte sie niemals das tun, was sie jetzt getan hat. Einem Gesetz die Möglichkeit geben, unser Grundgesetz aus den Angeln zu heben. Damit fällt die Demokratie und was steht dafür auf?

Wir sind die Menschen, Wir sind es die die Welt machen. Daher bitte ich euch, hört auf, den Nächsten zu beschimpfen und mit Schuld zu überhäufen. Er ist nicht Schuld. Er bedarf eurer Schimpfe nicht. Wir sind alle gleich – krank und gesund!

Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein, heißt es in der Bibel. Daher schaut genau hin, was passiert. Andere Meinungen sind auch Meinungen. Andere Ansichten sind dennoch nicht unbedingt fehlerhaft. In der Wissenschaft trifft man eine Annahme. Sollte das Ergebnis nicht passen, wird die Annahme verändert. Mit welch einer Berechtigung wird jetzt, obwohl das Ergebnis nicht passt, an der Annahme festgehalten? Es gibt Alternativen. Schaut hin. Hört zu. Allen Wissenschaften. Zum Schluss folgende Szene und das ist geschehen. Ich hoffe, dass es eure Augen öffnet.

Ein Altenheim. Eine Tochter fordert von den Schwestern, dass ihre Mutter nicht neben einer Ungeimpften sitzt!

Wo sind wir? Wollen wir das? Wie soll unsere Welt aussehen, in der die nächsten Menschen leben nach unserer aller Tod? Denn alle, die jetzt hier sind, unterliegen der Begrenzung. Doch, die Menschheit ist lebendige Kraft. Sie ist Energie. Wir können denken und tun und die Richtung bestimmen. In die menschliche analoge oder in die kontrollierte digitale Welt oder in eine sich respektierende Gegenseitigkeit. Ein jeder von uns ist Gestalter. Keiner kann sich zurückziehen. Jeder an dem Ort, an dem er steht, entscheidet sich für Menschlichkeit oder dagegen. Augenblick für Augenblick.

Sind die 60-er, 70-er, 80-er Jahre ein Vorbild?

Volljährigkeit. Hippies. Das sind wir. Schaut hin.

Irgendwie fallen mir in den letzten Tagen und Wochen einige Sprüche aus meiner Vergangenheit ein. Dazu gehört: Mein Bauch gehört mir. Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose. Stell dir vor, es gibt Krieg und keiner geht hin.

Ich bin 1960 geboren worden, das heißt ein durch und durch im Aufschwung geborenes Leben. Meine Eltern waren im zweiten Weltkrieg Kinder. Meine Großeltern erlebten ihn als Erwachsene. Doch, auch wenn 1960 gerade 60 Jahre her sind, so ist diese Zeit eine der entwicklungsträchtigsten Jahre unseres menschlichen Daseins. Wenn zu Beginn des 19 Jhd. mit der Industrialisierung Umweltproblematiken entstanden, so sind diese heute zu einem so großen Berg angewachsen, so dass viele nur noch vor den Berg schauen, aber weder hinein noch von oben darauf. Dadurch scheint er nicht zu existieren und wenn, dann ist es eben ein Berg wie jeder andere auch. Bemerkenswert ist an dieser Stelle jedoch, dass dieser Berg eben nicht ein Berg ist wie jeder andere.

Der normale Berg ist in einem Kreislauf eingebunden. Wetter, Jahreszeiten, Tier-und Pflanzenwelt, menschliche Erholungsstätte – alles kommt und geht, greift ineinander, nichts bleibt übrig, nichts verschwindet – alles findet seine Anwendung. Heute nutzt die Permakultur ein solches Ineinandergreifen.

Als die Menschen für „Atomkraft. Nein. Danke.“, als die Frauen für ihre Rechte „Mein Bauch gehört mir“ auf die Straßen gingen, lebten sie eine Form der Demokratie. Sie traten ein für eine Meinung, für eine Ansicht. Möge sie richtig oder falsch sein, sei einmal einfach dahingestellt. Es geht schlichtweg um die Möglichkeit, seine Meinung zu vertreten. Für seine Ansicht eintreten, eine Schritt tun.

Was ist eine Demokratie, wenn keiner hingeht? Was ist eine Demonstration, was ja nichts Anderes bedeutet als ein Zeigen, ein Hinweisen, ein Deutlich-Machen, ein Anzeigen, wenn keiner sich berufen fühlt, mit hinzuweisen auf? Ist unsere Welt so klar strukturiert, dass ein Hinweisen auf eventuell nicht klar definierte Grundlagen und Annahmen nur fehlerhaft scheint?

Am 18. November 2021 war das Fest der Philosophie. Jedes Jahr im November findet ein solcher Tag zu Erinnerung an die lebendige Philosophie statt. Im kleinen Rahmen fand bei mir eine Gruppe von Menschen zusammen, die sich die Frage stellte: wie das kleine Wort „weil“ unsere Gegenwart bildet?

Lange Nacht der Philosophie - Dornbirn - Aktuelles zu ...
2019 war die erste lange Nacht der Philosophie in Coburg. Wann kommt sie wieder? Kultur ist Leben, ist Vielfalt, ist Kreativität. Wollen wir sie sterben lassen?

Dabei kam es an einer Stelle zum Ende in der großen Plenumsrunde zu einem bemerkenswerten Diskussionspunkt. Es ging um Hunger. Die Frau kommt verspätet von der Arbeit nach Hause. Es ist kein Essen zubereitet. Sie fragt: Hat denn hier keiner Hunger?

In diesem Moment passiert etwas Unglaubliches. Ohne dass wir es bemerken, schleicht sich eine Annahme in unser Denken. Wir übertragen eine Annahme, die unsere eigene ist auf alle anderen. Es fällt nicht auf. Es geschieht unbeabsichtigt. Es taucht einfach auf. Doch es hat Folgen! Mit dem Ansetzen einer Annahme, in der Mathematik heißt dies eine Voraussetzung setzen, legen wir fest, von welchem Punkt wir ausgehen wollen. Wir machen eine Verallgemeinerung. Ob diese wirklich für alle gültig ist, setzen wir fest. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Dies scheint sehr vernünftig zu sein, denn irgendwo müssen wir ja anfangen.

Verstehe den Beweis zum Distributivgesetz nicht. Zeigen ...
Es seien = Festlegung, Annahme, Voraussetzung. Hier wird das Distributivgesetz/Verteilungsgesetz bewiesen.

Wichtig an dieser Stelle ist jedoch, dass wir darum wissen, dass wir eine Annahme, eine Voraussetzung setzen. Wenn wir dies nicht tun, läuft ein Geschehen ab, dass uns ohne unser Wissen ganz schnell in eine Bewertung führt. Mit einer Bewertung wächst wiederum ein Umstand, den wir in der Regel nicht wollen. Wir sondern aus. Jede Bewertung, die wir fällen, führt zu einer Aussonderung.

Dieser Mensch ist behindert, dieser ist krank, dieser ist arm, dieser ist reich, dieser ist arbeitslos, dieser ist arbeitsscheu, dieser ist ….Jedes Mal greifen wir zu einer Annahme und somit zu einer Beurteilung eines Menschen.

In Wirklichkeit wissen wir jedoch nicht, was dieser Mensch ist. Wir wissen auch nicht, was wäre, wenn wir eine andere Annahme setzen würden. Wir wissen erst dann etwas, wenn wir es ausprobieren, wenn wir es tun.

Junge, Kinder, Zeichnung, Weiblich, Mädchen, Männlich
Tun ist Vielfalt. Vielfalt ist menschlich.

Das Besondere an Annahmen ist, dass wir sie jederzeit verändern können. Dies geht natürlich nur, wenn uns klar ist, dass wir nach Annahmen und Voraussetzungen handeln.

Im individuellen Bereich können wir unseren Annahmen und Voraussetzungen sowohl bei einer „guten“ Psychotherapie als auch in meditativer Praxis auf die Spur kommen.

Wissenschaftler gehen oftmals davon aus, dass die Annahme, die sie jetzt tätigen ohne Alternativen sind. Wissenschaftler wie Heisenberg nahmen die Alternativen mit hinein, ebenso ein Philosoph wie Edmund Husserl, der in seinem Buch über die Krisis der europäischen Wissenschaften genau dies zum Aufbau seiner Phänomenologie nimmt. Er stellt die berechtigte Frage an jede Wissenschaft, wie ein Phänomen überhaupt in unser Gesichtsfeld kommt?

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https://itp-buw.de/

Aufzustehen, Einzutreten, Aufmerksames Verfolgen, Genaues Lesen, Hinterfragen, „Geistiges Abmessen = Meditieren“ – all dies sind Möglichkeiten, unbemerkt gesetzten Annahmen auf den Grund zu gehen.

Derzeit finden so massive Annahmen statt, dass ich oftmals schwindelig davorstehe und mich frage, ob Politiker als Stellvertreter für uns Bürger überhaupt noch wissen, was sie tun.

Wenn ein Politiker die Äußerung macht, dass es doch so sei, dass bis Ende des Jahres alle Bürger geimpft, genesen oder gestorben seien, so ist dies eine so menschenverachtende, menschenunwürdige und respektlose Annahme, dass es mir die Sprache verschlägt.

Merkwürdig ist, dass bei uns das Setzen von Annahmen und Voraussetzungen so in den menschlichen Denkweisen angekommen ist, dass scheinbar niemandem mehr auffällt, was hier gerade geschieht. Völlig außer Acht steht hier der einfache gesunde Mensch. Gestern Abend auf dem Marktplatz in Coburg bei der Demonstration „Schweigen für die Menschlichkeit“ sagte die Mutter einer Tochter mit Trisomie 21, dass ihre Tochter keinerlei Anschluss mehr hätte, weil ja Gruppe ohne ….verboten sind. Sie sagte den wunderbaren Satz: Meine Tochter ist doch einfach nur gesund.

Selbst in den schlimmsten Pestzeiten, Cholerazeiten und anderen Erkrankungen der Menschheit gab es die Gesunden. Es gibt sie immer. Es ist ja nicht nur so, dass die meisten Erkrankten gesunden, sondern es ist ja auch so, dass gerade die Erkrankungen der Menschheit für Ihre Anpassungen an das Leben auf diesen Planeten von Nöten war. Vielleicht ist dies gerade jetzt so?

In einer Welt werden Menschen einer gentechnischen Maßnahme unterzogen, statt zu schauen, wo und wie wir unser Tun auf dieser Welt zum Wohle aller Menschen und der Menschlichkeit einsetzen können. Stattdessen: Urwälder gerodet. Seltene Erden ausgebeutet. Kinderarbeit. Kinderprostitution. Kindersterblichkeit (Asien, Indien, Südamerika). Frauen abgeschnitten von Bildung (Afghanistan, Belarus). Digitales Vorantreiben ohne den Energiebedarf zu bedenken. Rüstungsaufbau statt Bildungs-und Forschungsaufbau.

https://institut-seltene-erden.de/china-abbau-seltener-erden-gefaehrdet-nomaden/, Bild stammt von Wirtschaftswoche

Gerade jetzt wäre die Zeit gekommen, dass sich alle Staaten der Welt verbinden (Weltbürgertum), dass jede Kriegsmaschinerie abgeschafft und jeder nur erdenkliche Cent in die Forschung und Bildung gesteckt wird, um den Menschen eine menschliche Welt zu schaffen und unseren Kindern zu hinterlassen.

Wie ist angesichts der derzeitigen Situation zu verstehen, dass überhaupt Dividenden ausgezahlt werden und sogar mit einer Steigerung gerechnet wird? Welche Unternehmen haben sich hier an Kurz-Arbeiter-Geld und Co bereichert und ihre Geschäftsgelder arbeiten lassen?

„In den letzten Jahren waren die Dividendenzahlungen der DAX Unternehmen konstant hoch. Für die DAX Dividenden 2022 wird erwartet, dass ca. 37 Milliarden Euro der Gewinne aus dem Geschäftsjahr 2021 ausgeschüttet werden. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von ca. 14 %.“ https://www.dividenden-kalender.de/

Wie viele Kinder auf der Welt (siehe auch „Biene Maja“) wurde durch das jetzige politische Gebaren, das die Verhältnismäßigkeit des tatsächlichen Geschehens um ein Vielfaches steigerte, geschädigt?

 „Die Pandemie ist weit mehr als eine Gesundheitskrise. Viele Familien weltweit haben durch ihre wirtschaftlichen und sozialen Folgen von einem auf den anderen Tag ihre Existenzgrundlage verloren.“ Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland

Ist es verantwortlich, dass in einem so reichen Land wie wir es haben, die Armut beständig steigt? Ist es notwendig, dass die Schere zwischen Armut und Reichtum weiter ansteigt?

In Zeiten wie diese, wo die Distanz zwischen den Menschen propagiert wird, stellt sich die Frage nach der Menschlichkeit Minute für Minute neu.

Menschlichkeit für einen Moment | Kirche im hr
Menschlich ist altern und krank werden, sein, gesunden und auch sterben. Mein Hausarzt sagte einmal zu mir: Wir können auch gesund sterben! Ist das heute noch erlaubt?

Wenn wir jetzt sagen würden: Stell dir vor, es gäbe Corona und keiner geht hin, was würde dann passieren? Könnten wir dann unserer Menschheit nicht vielleicht genau die Immunität schenken, die sie jetzt für die neue Zukunft braucht? Könnten wir dann vielleicht wieder unsere Menschlichkeit im gegenseitigen Helfen und Füreinander-Dasein erfahren – das, was wir offensichtlich in den letzten Jahrzehnten verlernt haben? Könnten wir dann nicht erforschen, wie die Menschen heute mit einer neuen Erkrankungswelle umgehen? Warum stellen wir uns so massiv dagegen, neue Erfahrungen zuzulassen im Angesicht einer Welt, deren Energien und Kräfte wir einfach ungehindert weiter ausbeuten im Sinne von gewinnträchtigem Geldwirtschaften?

Wäre dies nicht jetzt eine Möglichkeit wieder zu erkennen, dass wir alle im gleichen Boot sitzen? Ein Millionär braucht den Installateur wie der Arme. Ein Millionär braucht den LKW-Fahrer wie der Arme. Keine Milch ohne ihn. Kein Stein, kein Rohr ohne ihn. Ein Millionär braucht den Bäcker, die Putzfrau im Supermarkt genauso wie der Arme. Mit welch einer Berechtigung sollte sich der Millionär nur bereichern, statt wie der Arme es durch seine häufig unangemessen bezahlte Arbeitskraft (1-Euro-Jobber, Mindestlohn) tagtäglich tut, arbeiten für einen angemessenen Lohn? Sie können auf Dividenden verzichten und der Allgemeinheit spenden. Sie können die Kriegsmaschinerie, die tötet, ersetzen durch Maschinen, die dem Menschen beim Leben helfen. Sie haben die Mittel dies für die Menschheit und ein gesundes Weltbürgertum zu tun. Ihr Anteil ist entstanden durch jeden Menschen, der arbeitet. Jeder Cent, der weltweit entsteht, entsteht durch Arbeit. Gleichgewicht bedeutet die Waage halten. Wie ist es möglich, dass das Gleichgewicht so entgleist, dass sogar ein Kleinstlebewesen (auch wenn es so nicht definiert ist) , wie ein Virus, deutlich machen muss, schaut jetzt endlich einmal her?

Buchcover: Die Unteilbarkeit der Erde, von Stephan Mögle-Stadel
Eine Welt. Eine Menschheit. Ein Organismus. Jedes Wesen bildet mit Schaffenskraft. Sowohl gut wie schlecht. Wie wollen wir leben?

Es wurde viel geredet von Meditation = Geistiges Abmessen in Unternehmen. Aber, wenn es soweit ist, machen sie einen Rückzieher. Gewinnbestrebungen und Aktienkurse – Zahlen bestimmen das Tun, so wie jetzt Zahlen eine gegenwärtige Welt erschaffen, die lediglich Annahmen und Hypothesen sind.

Intuitive Gewissheit ist erlernbar. Weisheit ist erlernbar. Erfahrendes offenes Wissen schaffen ist erlernbar. Nur eine einzige Bedingung ist von Nöten. Die Absicht für die Menschheit Menschliches zu wollen. Die Mittel und Wege mögen seltsam erscheinen und auf den ersten Blick unlogisch. Doch Logik heißt Sammeln. Sammeln von Erfahrungen. Erfahrungen entstehen durch eine Auseinandersetzung mit den eigenen und den fremden Annahmen. Dann öffnet sich eine Welt, die größer ist. Sie lässt Alternativen zu, Kreativität wachsen und Räume entstehen für ein menschliches würdiges Leben, das sich fortsetzt in ein würdiges Leben aller Wesen dieses Weltenraums.

Seien sie stark für die Menschlichkeit. Es lohnt sich, denn sie ist die Einzige, die uns trägt.

Dafür lohnt es sich einzustehen. Gewählte Abgeordnete der europäischen Union taten dies. Sie weisen auf Missstände hin, die anwachsen und anwachsen und kein Ende zu kennen scheinen. Doch, ein Ende gibt es immer. Doch, wie dieses aussieht, entscheidet jeder Mensch selbst. Er ist Mitträger der Gemeinschaft Mensch. Wie unsere Welt aussieht heute, morgen, übermorgen, hängt von unserem Tun ab. Ist der Mensch unser Freund? Ist der Mensch unser Nachbar? Ist der Mensch unser Nächster? Ist der Mensch der Mensch, der mit uns Mensch ist? Ist der Mensch, der, der mir ähnlich ist? Ist der Mensch, der mit mir das Leben und Sterben teilt? Ist der Mensch emotional, geistig, körperlich mit mir übereinstimmend?

Wir entscheiden über die Welt von heute und morgen. Welche wir wollen und welche wir erschaffen, liegt wirklich in unseren Händen.

Für die Menschlichkeit einer gesunden geistigen und körperlichen Menschheit. Es liegt bei uns, bei jedem von uns.

https://bilder.t-online.de/b/86/81/41/60/id_86814160/tid_da/menschenmenge-bei-einem-konzert-in-papenburg-in-nairobi-beraet-die-un-weltbevoelkerungskonferenz-zum-thema-ueberbevoelkerung-symbolfoto-.jpg
7,9 Milliarden Menschen – Jeder Gedanke zählt. Jedes Gefühl zählt. Jedes Leben zählt. Gleichgewicht bedeutet die Waage schlägt nicht aus, sondern ruht in der Mitte. Dies ist möglich, wie es schon seit Jahrtausenden die Weisen den Menschen wissen lassen. Ein Dalai Lama ist derzeit wohl der Bekannteste dieses Wissens.

Die Gutmütigkeit der Erde – ein Vorbild

Als ich gestern auf einem schönen Herbstspaziergang durch die Sonne unter blauem Himmel ging, war da plötzlich diese Gutmütigkeit der Erde.

Ein Weinstock in trockner Umgebung.

Egal, was wir Menschen tun, egal, wie die Welt gerade aussieht, egal, welche Freuden oder welches Leid die Menschheit gerade trägt, die Erde ist stets gleich gutmütig zu uns.

Sie lässt den Grashalm wachsen, den die Kuh und die Schnecke frisst. Sie lässt das Getreidekorn wachsen. Wir haben Brot. Sie schenkt uns Regentropfen, der Flüsse und Bäche mit Süßwasser füllt. Sie lässt uns auf ihrer Festigkeit Häuser errichten. Sie schenkt uns Raum, Kinder groß zu ziehen. Sie lässt uns mit Sonnenstrahlen durchwärmen. Sie beschenkt uns mit Winden, die Felder und Früchte trocknen lassen für einen Winter.

Egal, wo wir auf unsere Erde schauen. Sie ist gutmütig. Selbst die größten Angreifungen, die der Mensch an ihr begeht, lässt sie gutmütig über sich ergehen. Wenn der Angriff vorbei ist, beginnt sie von Neuem aufzubauen, zu regenerieren, neu zu werden. Vulkanausbrüche, stillgelegte Bergwerke zeigen dies mehr als deutlich.

Noch deutlicher wird dies, wenn Wissenschaftler eine Zukunftsvision entwickeln, wie die Erde aussieht, wenn kein Mensch mehr gestaltende Hände anlegt.

Die Erde ein Gestaltungsraum, der einfach immer wieder neu in den Kreislauf einsteigt. Ist der Mensch da wirklich zu viel? Ist der Mensch derjenige, der die Erde ausbeutet? Ist der Mensch derjenige, der ihr keine Ruhe-Pause lässt? Oder ist der Mensch derjenige, der die Erde erschafft?

Weltkarte: Diese Karte zeigt die Verbreitung von Säugern schwerer als 45 kg pro 100x100 km in einer Welt ohne Menschen
Diese Karte zeigt die Verbreitung von Säugetieren schwerer als 45 kg pro 100×100 km in einer Welt ohne Menschen

Wenn der Mensch nicht mehr wäre, wer würde Visionen vom Verschwinden des Menschen und dem Entstehen einer anderen Erde haben? Es ist die berühmte Zen-Geschichte: Wenn im Wald ein Baum umfällt, macht er ein Geräusch?

https://img.fotocommunity.com/im-wald-a4834b02-d36d-49c4-8b79-9805a895fc8d.jpg?height=1080
Macht er ein Geräusch, wenn er fällt?

Wenn wir derartige Szenarien als Menschen buchstabieren können, weshalb buchstabieren wir nicht einmal eine Welt ohne Krieg? Eine Welt, deren Rohstoffe in einem Kreislauf verwendet werden? Eine Welt, in dem der Mensch das Mitgefühl an die erste Stelle setzt? Eine Welt, die den Menschen mit seinem Bedürfnis nach gestilltem Hunger, nach einem Dach über dem Kopf und sauberes Wasser an die erste Stelle stellt vor jedem materiellen Wert? Wenn wir Menschen Szenarien bilden können, warum nehmen wir nicht ein Szenarium einer wirklich globalen Welt, die allen Menschen gleichermaßen das gleiche Recht auf Unversehrtheit einräumen? Reicht das weltweite Bedürfnis des Menschen nach Energie, Wasser und Lebensmittel nicht aus, so dass sich wirklich alle Regierungen der Welt an einen Tisch setzen und wirklich diese neue andere Welt buchstabieren, in Szene setzen?

Linguistik: Walsprache hat eine Grammatik - WELT
Die Verbindung von Welten nicht trennen, sondern eng miteinander verzahnen!

Warum Gewalt im Krimi, warum Science-Fiction mit Kriegen, warum Zerstörung als Grundlage buchstabieren? Ist der Mensch nicht „mehr als“ das? Ist der Mensch nicht Mensch, weil er gerade Visionen haben kann? Weil er das Universum im Großen und Kleinen betrachten kann? Heute mehr denn je durch die Wissenschaften.

Ist nicht im Angesicht der derzeitigen Weltsituation nicht die Frage nach Kontrolle wichtig, sondern die Frage: Was ist unsere Vision der Zukunft unserer Erde, unserer Welt? Sind die Menschen nicht die, die diese Frage stellen und Antworten entdecken können, die ungewohnt, neu, seltsam, anders, aufgeweckt und vielfältig sein können?

Sollten wir Menschen nicht der Vision wiedersprechen, die Hermann von Keyserling 1926 in seinem Buch „Die neuentstehende Welt“ schreibt.

„Der Fortschrittsgedanke ist zum Evangelium der Massen geworden, deren Idealbild der Chauffeur, der technisierte Wilde ist.“ (Keyserling 1926, S. 95)

Führt uns nicht gerade dieser Fortschrittsgedanke zu einem neuartigen Virus, der viele Menschen erkranken, jedoch auch gesunden lässt. Ist nicht die Antwort des Menschen mit und in der digitalen Welt, die gerade ungestimmt in den Himmel wächst wie der Turmbau zu Babel, genau der technisierte Wilde vor dem Keyserling warnt?

"Turmbau zu Babel" Foto & Bild | asia, middle east, united ...
Der moderne Turmbau zu Babel
Brueghel Ältere: Der Turmbau von Babel. Kunstdruck ...
Der alte Turmbau zu Babel, Bild von Brueghel der Ältere

Wir Menschen sind „creators“, sind Schaffende und Erschaffende. Der Beginn jeder Vision, jeder Idee, jedes Handels liegt irgendwo auf dem Grund eines geistigen Schaffens. Wir Menschen können diese gestaltende Kraft für alle oder gegeneinander einsetzen. Keyserling erinnert daran, dass „in der heutigen Welt auf dem Übertragbaren der Haupakzent [liegt], und genau wie der Funkspruch in wenige Sekunden die Weltmeere überfliegt, so löst jeder Gedanke in kürzester Frist alle extensiven wie intensiven Wirkungen aus, die als Möglichkeiten in ihm liegen. Deshalb haben Fehlgedanken so katastrophale Folgen, wie ehedem nur kosmische Katastrophen.“ (Keyserling 1926, S. 116)

Die schnelllebige digitale Welt existierte 1926 noch nicht, dennoch beschreibt Keyserling sie mehr als treffend. Jeder Mensch ist mit einem Fingerdruck mit einem Gedanken unterwegs. Jeder Fingerdruck trifft eine Entscheidung, wie jedes Blatt Papier, dass Kontrolle verlangt.

Digitale Welt, konzeptuellen Kunstwerk Stockfoto, Bild ...
Jede Null. Jede Eins. Ein geformter Gedanke der digitalen Raum-Zeit.

Kontrolle ist das Ende von Verantwortung, von Selbst-Denken, von Freiheit, von Demokratie. Mehr Kontrolle ist der Anfang von einer Welt, die sich in ihrer Gutmütigkeit scheinbar bezwingen lässt, deren Güte jedoch weit darüber hinausgeht. Sie lässt die Menschen nach Krankheit wieder auferstehen. Sie lässt die Menschen in ihrer unvorstellbaren Güte nicht allein. Sie trägt sie hindurch durch die Krisen und reicht immer noch einmal das Tablett herum, damit wir nicht hungern und dürsten.

Die grünen Städte der Zukunft in 2020 | Grüne architektur ...
Zukunfts-Vision – eine grüne Stadt – Klima – Nahrung – Lebensraum!

Sie hält uns den Spiegel vor. Sie ist das größte Vorbild, was wir Menschen direkt vor unserer Nase haben. Ihr Spiegel lehrt uns unsere mögliche Gutmütigkeit im Umgang mit uns allen. Dabei ist der wichtigste Schritt für die Menschen, dass ein jeder um sich und seine Eigenschaften weiß. Wie sieht meine Macht aus? Wie sieht meine emotionale Gier aus? Was will ich auf keinen Fall? Was will ich auf jeden Fall und warum ist das so?

Darauf verweist Keyserling noch einmal ganz deutlich, indem er darauf hinweist, dass die Bestimmung des eigenen Selbst ausschlaggebend ist.

„In dieser Wende aber kommt schlechthin alles auf gesteigerte Selbstbestimmung an.“ (Keyserling 1926, S. 139)

Nehmen wir diese Selbst-Bestimmung ernst, dann ist Kontrolle ein Wort von Gestern, dann ist Katastrophenfall ein Tun von gestern, denn die Türen sind dann auf für Menschen, die sich selbst besser kennen als jeder Arzt, Wissenschaftler oder Mystiker. Jeder Mensch ist dann ein Wissen-schaftlerIn und ein MystikerIn, weil sie sich selbst entdecken in den Bereichen ihres ganzen Seins.

Dies ist eine Vision eines Menschen für Menschen mit Menschen. So entsteht Freiraum für die Gutmütigkeit des Menschen, der seinem Spiegelbild der gutmütigen Erde vertrauend, dieses Spiegelbild die „Grausamkeit“ nimmt und eintauscht gegen „Frieden“.

So wünsche ich uns allen eine gutmütige Seele, die uns als Menschen zu menschlich würdigen Entscheidungen führt, einschließlich der Entscheidung Sterben und Krank-Sein zu erlauben.

Ein Dank an die unerschütterliche Kraft einer gutmütigen Erde.

Bildergalerie: Der Mensch im Weltall | tagesschau.de
Ein Lebens-Raum

Literaturverzeichnis

Hermann Keyserling, un filosofo viaggiante | Wall Street ...
Hermann von Keyserling

Keyserling, Hermann (1926): Die neuentstehende Welt. Darmstadt: Reichl. Online verfügbar unter https://schuledesrades.org/palme/schule/neuewelt/?Q=4/7/64/9.

Der Verlust der analogen Welt – 1G, 2G, 3G, 4G, 5G!

5g Internet Vernetzung In Der Stadt Stadtbild Und ...

Irgendwie scheine ich in einer auf den Kopf gestellten Welt gelandet zu sein. In einem Café werde ich nach 3G gefragt. In der Landesbibliothek kann ich ein Buch nur dann abholen, wenn ich 3G habe, auch wenn es nur zwei Minuten dauert. Bei der Volkshochschule wird ein 3G gefordert, wenn ich einen Kurs besuchen möchte. Die Welt fordert bereits ein 5G oder sogar 1G. Was bedeutet dies? Was machen wir hier?

Züge fahren in viele Richtungen. Die Insassen wechseln.

Als vor 80 Jahren eine Vernichtungsmaschinerie ihr Werk begann, konnte der einfache Mensch auf der Straße dies alles nicht so nachverfolgen, was da geschah. Irgendwann jedoch sah sich jeder einzelne Mensch einer Frage ausgesetzt: Was machst DU jetzt?

Plötzlich sollte die Mutter dem Kind verbieten, dass es in der Schule neben dem anderen Kind sitzt, das das Makel hatte. Plötzlich sollte ein Vater einer Organisation beitreten, sonst verlor er seine Arbeit. Plötzlich sollte eine Großmutter zeigen, wer ihre Großmutter und ihr Großvater war. Plötzlich war die Welt auf den Kopf gestellt und ein jeder Mensch war mittendrin und es wurden Entscheidungen von ihm verlangt. Manches Mal war die Entscheidung nicht offensichtlich, denn es gab ja eine Verordnung, die sagte, was der einzelne Mensch zu tun hatte. Auf die Verordnung konnte sich der Einzelne zurückziehen. Die Verordnung versetzte den Einzelnen in die Lage, sich auf der richtigen und gerechten Seite zu befinden. Nicht selber denken, keine Verantwortung übernehmen, die Verordnung kennt die Antwort. Die Welt stand Kopf und keiner sah es.

Was wäre, wenn wir heute nach so vielen Jahren und drei Generationen, das Wort „jüdisch/nicht jüdisch“ ersetzen durch „digital/nicht digital“? Wenn wir es ersetzen durch „geimpft/nicht geimpft“, durch „liberaler Muslim/Fundamentalist“, durch Israeli/Palästinenser“, durch „Türke/Kurde“, durch „Bürger/Rebell“, durch „evangelisch/katholisch“, durch „Ire/Engländer“, durch „Deutsche/Ausländer“ …?

Diese Liste ist unendlich lang. Doch, die Frage ist: Welche Strukturen ermöglichen derartige bis zu Kriegen führende Situationen in einer Gesellschaft? Wie ist es möglich, dass Menschen sich in derartige Lebenssituationen bringen? Wie kann es zu derartigen Verhaltensmustern kommen?

Wie kann es sein, dass in einem demokratischen Land einem Bürger das Recht auf Bildung durch den Ausschluss aus der Bibliothek verweigert wird, weil er kein 3G hat? Wo ist der Gleichbehandlungsgrundsatz unseres Grundgesetzes geblieben? Wie ist es möglich, dass sich Menschen einer Gesellschaft, einer Familie, eines Landes, einer Welt vorgeben lassen, wie viele G´s sie brauchen, um an Bildung teilzunehmen, während das Kaufen nicht den G´s unterliegt?

Umsetzung des Berliner Bildungsprogramms und der Kinderrechte

Wie kann es sein, dass sich eine gebildete demokratische Gesellschaft, und ich denke, dass behaupten wir von uns, plötzlich Zwänge ausübt? Wenn DU nicht wenigstens ein G hast, kommst DU hier nicht rein!

Der Ausspruch von Nena, als sie jetzt ihre Konzerttour für 2022 absagte: „Alle Menschen sind mir willkommen“, ist gelebte gebildete Demokratie.

Artikel 3 des Grundgesetzes: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Wenn ein Gesetz beschlossen wird, dass diese Grundlage aufhebt, entsteht ein Dilemma, „einen Fangschluß der Logik, der einen Gegner so zwischen zwei gleich unangenehme Behauptungen stellt, daß er sich für eine entscheiden muß“.

Welche Logik können wir nun anwenden, um den Schaden so gering wie möglich zu halten? Die Antworten der letzten eineinhalb Jahre ist es offensichtlich nicht. Die Relationen wurden deutlich fehlerhaft gesetzt mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen, die noch unübersehbar sind.

Raul Hilberg beantwortet einiger dieser Fragen in seinem Buch „Die Vernichtung der Europäischen Juden“ von 1961, das erst 1982 ins Deutsche übertragen wurde.

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Raul Hilberg, Die Vernichtung der Europäischen Juden

Er stellt sich genau diese Fragen. Er sucht menschliche Strukturen, die in das Verhalten von Menschen einfließen, die Menschen voneinander trennen, weil der eine dies ist und der andere das.

Eine seiner Antworten greife ich heraus. Es ist die Tätigkeit eines bürokratischen Apparates. Das Tun von administrativen Maßnahmen. Er schreibt, dass alles mit einem Gesetz beginnt, dem Durchführungsverordnungen folgen, die öffentliche Bekanntmachungen zur Folge haben.

Technische Regeln
Auf allen Ebenen inzwischen anzutreffen. Digita macht es möglich.

Dies ist eine Struktur, die in den Ländern besonders Fuß fassen kann, in der eine Verwaltungsebene schon lange Bestand hat. In Deutschland gibt es durch das Preußentum eine derartige gute Verwaltung. D.h. wir können ein Gesetz verabschieden im Bundesrat, das dann in geordneter Struktur seinen Weg bis zum einzelnen Menschen im Land findet. Dabei gibt es schriftliche Richtlinien, die allen zur Verfügung stehen, aber es gibt auch schriftliche Verordnungen, die nicht jeder zu sehen bekommt. Die Verordnung eines Krankenhauses oder einer Schule und deren Instruktion von der Gesundheitsbehörde oder Schulaufsichtsbehörde bekommt der Patient und die Elternschaft in der Regel nicht direkt zu sehen. Zu sehen, bekommt der einzelne Mensch, die Verordnungsvorschrift, die ihm sagt, was er nun zu tun habe.

Auf den ersten Blick scheint dies ein gelungenes Mittel zu sein, Menschen im Frieden zu halten und in diesem jetzigen Fall Gesundheit zu bewahren. In Ländern, wo die administrative Bürokratie nicht so funktioniert, treten viel schneller Störungen im gesellschaftlichen Leben auf. Doch, welche unsichtbare Gefahren lauern hier?

Eine Verwaltung, die die Menschen kontrolliert, bedarf erstens eines wachsenden Verwaltungsapparates

Lehmann Architekten - Lehmann Architekten Berlin Offenburg
Berlin Neubau und Erweiterung der Verwaltung

und zweitens bedarf es Mittel, die Kontrolle durchführen zu können. Wenn wir jetzt auf das Geschehen der letzten Monate zurückgreifen, so können wir genau verfolgen, was geschah.

Ein Gesetz- das Infektionsschutzgesetz-wurde verändert als neues Infektionsschutzgesetz in die Gesellschaft gesetzt. Im Rahmen dieses Gesetzes entstanden die entsprechenden Verordnungen, die jeder aktuell nachlesen konnte, ob nun in der Tagespresse oder im Internet. Die Verordnungen wurden von einer Macht, der Polizei, kontrolliert. Die Gesetzgebung verhängte Strafen, die umgesetzt wurden. Als Mittel zur Überprüfung

Corona-Test für zu Hause | Healthcare Mittelhessen
Der Müllberg, der hier produziert wird, ist unübertroffen. Wer macht hier Gewinne?

wurden Testverfahren, Impfstoffe und Zahlen wie Inzidenzwerte geschaffen, die es erlauben, die Struktur aufrecht zu erhalten. D.h. eines griff in das andere.

Die Struktur hatte wieder einmal zugepackt und wieder erkennt die Menschheit nicht, was sie tut.

Als Jugendliche habe ich mich immer wieder gefragt, wie war es möglich, dass eine derartige Vernichtung stattfinden konnte. Dieser Vernichtung fielen ja nicht nur „Juden“ zum Opfer, sondern auch politische, religiöse und ethische Gruppen, die sich teils im Widerstand formierten. Die berühmteste Gruppe war die Studentengruppe um die Geschwister Scholl „die weiße Rose“.

Geschwister Scholl. Sie starben mit 22 und 25 Jahren. Sie wurden enthauptet.

Nach Hitlers Machtübernahme 1933 gelang es den Nationalsozialisten mit brutalen Methoden sehr bald, die politischen Gegner in Deutschland „auszuschalten“. Andersdenkende wurden auf verschiedene Weise mundtot gemacht. … Es zeigt, dass einige tausend Menschen nicht nur anständig geblieben waren, sondern auch mutig dem Regime aktiv die Stirn boten. Freilich bildeten sie eine verschwindende Minderheit in der deutschen Bevölkerung. Sofern nicht ohnehin Parteinahme oder mindestens Sympathie für den Nationalsozialismus vorherrschten, bestimmten politische Resignation und Anpassung das Verhältnis der Deutschen zum nationalsozialistischen Regime.“

Als Philosophin denke ich, dass das Wichtigste ist, das, was wir tun können, wenn wir sehen, dass die Verwaltung des Bundeskanzleramtes wachsen soll, dass die Militärausgaben immer noch mehr als die Hälfte größer sind als die Bildungs-und Forschungsausgaben, dass den Menschen Distanz als Sicherheit eingeredet wird und somit der Austausch untereinander sich immer mehr entfernt, dass wir uns die Fragen stellen: Was passiert hier wirklich? Wer nutzt die Situation der Menschheit jetzt in dieser einmaligen Weltsituation aus? Was für einen Nutzen hat dies für wen? Was macht das mit unserem Leben? Welche Konsequenzen tragen unsere Kinder und jungen Erwachsenen? Welche Folgen nehmen wir hin? Was geschieht mit der beschädigten Kulturwelt, mit der aufgehobenen Versammlungsfreiheit, mit dem Ausnahmezustand, mit einem Gesetz, das jederzeit demokratische Grundrechte beschneiden kann, mit den emotionalen, pädagogischen und wirtschaftlichen Auswirkungen? Welche Wissenschaft findet Gehör, welche nicht? Auch dieser Fragekatalog kann unendlich weiterfragen.

Bildung und Forschung | SP Schweiz
Bildung ist nicht nur Wissen, sondern auch Sozialität!
Mann, Forschung, Lehrer, Chemie, Labor, Formeln ...
Forschung auch von Krankheiten!

Als buddhistische Philosophin empfinde ich diese Fragen als Ausgangspunkt einer Selbstreflektion. Wie und wo stehe ich ganz persönlich als Mensch in diesem Geschehen? Was mache ich noch mit und wo hört es auf? Als ich am Montag ein Buch aus der Landesbibliothek abholen wollte und mir gesagt wurde, dass ich ein 3G brauche, habe ich die Welt nicht mehr verstanden. Ein Buch ausleihen, dauert 3-5 Minuten, je nachdem, ob ich noch ein paar Worte mit dem Bibliothekar wechsle oder nicht. Ein Aufenthalt im Supermarkt dauert mindestens 10 Minuten und dort sind mit Sicherheit viel mehr Menschen als in der Landesbibliothek, aber dort fragt mich niemand nach 3G. Welche Logik liegt hier zugrunde?

Als ich eine Zusatzvereinbarung von der Volkshochschule als Dozentin bekam, in der ich bestätigen sollte, dass ich die Teilnehmenden auf 3G überprüfe und dafür sogar 2 Euro pro Häkchen erhalte, fand ich mich wieder in dieser Frage: Wo stehst du und wofür stehst du?

Meine Entscheidung klärte sich mit dem weiteren Lesen des Buches von Raul Hilberg und mit der Meditation Zazen, die mir den leeren intuitiven Raum immer wieder neu öffnet, der die Antwort kennt, ohne dass ich darüber nachdenken muss.

Zen Meditation Saarbrücken (Zen Dojo Saarbrücken / Saarland)

So schrieb ich zurück, dass ich auf keinen Fall eine derartige Vereinbarung unterschreibe und es nicht meine Aufgabe sei, die Entscheidung über den gesundheitlichen Zustand eines Menschen zu hinterfragen. Ich frage ja auch nicht nach Aids, Ebola, Hepatitis oder andere Erkrankungen wie Diabetes, dem jedes Jahr mehr Menschen zum Opfer fallen. Wer ist hier der Gewinner? Wer ist hier der Verlierer? Außerdem ließe ich mich nicht kaufen und für derartige Dienste auch noch bezahlen.

Noch leben wir in einer Demokratie und ich hoffe, dass dies auch noch lange der Fall ist.

Kubinaut Willkommen
Das sagt alles, oder?

Wenn der Staat die Impflicht nicht für notwendig hält, dann ist in einem demokratischen Staat der Weg offen für ein Ja oder Nein mit der Akzeptanz aller. Wenn jetzt Verwaltung überhaupt in Erwägung zieht, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von Covid ohne Impfung einzustellen oder sich das 3G durch Testverfahren bezahlen lässt, so ist dies ein nicht demokratischer Akt, der hier an dieser Stelle auch offen so benannt wird. Er verletzt das Gleichbehandlungsprinzip massiv. Der Staat räumt uns die Freiwilligkeit ein, weil er weiß um die nicht abgeschlossene Forschung dieser eingesetzten Stoffe, die übrigens keine Impftechnik im gewohnten Maß ist, sondern eine gentechnische Maßnahme.

Mit einer solchen Freiwilligkeit geht auch die Konsequenz einher, keine Menschen mit Sondernmaßnahmen zu strafen, die nicht gerechtfertigt sind. Zu derartigen ungerechtfertigten Maßnahmen gehören auch Androhungen, die Stelle zu verlieren, wenn man sich nicht impfen lässt, wie das Verbot Cafés oder Kulturstätten zu besuchen. Die Welt besteht nicht aus 3G, sondern die Welt mit den mehr als 7 Milliarden Menschen ist eine Vielfalt, eine Buntheit, die weder durch 1G noch 5G begrenzbar ist.

Weltbevölkerung steigt: Neujahr schon 7,2 Mrd. Menschen

Jeder Mensch ist eine analoge vielfältige Welt. Gehen Sie über kleine Seitenwege im Wald und Sie entdecken Ihre Vielfalt im: über umgestürzte Bäume klettern, sich unter Zweigen hinwegducken, in ein Schlammloch treten, dem Gewirr der Insekten zuhören, die kleine Raupe an der Distel sehen, den Geruch frischer Pilze riechen.

Waldwege Foto & Bild | jahreszeiten, herbst, brocken ...
Ganz ohne Überlegen, Denken, Vorstellen setzen ihre Füsse die Schritte, bewegt sich der Körper durch die Hindernisse. Das ist Weisheit. Was hindert uns ihr zu vertrauen?

Dies alles reduzieren zu wollen auf eine digitale überprüfbare Welt löst eine Verkümmerung von Menschlichkeit aus. Der Mensch ist kein Bogen Papier in der Verwaltung, auf dem sein Name steht. Er ist lebendig. Er ist ein Wesen. Jeder, der einmal erlebt hat, wie ein Medizinischer Dienst mit dem zu Überprüfenden spricht und umgeht, weiß, wovon ich hier spreche. Das Grundgesetz der Würde wird hier in massivster Weise verletzt. Jeder Haken, jeder Buchstabe einer Verordnung bedeutet eine Auswirkung auf Menschen und ihr Leben. Wahrhaftig jeder!

Landkreis Lüneburg - Bildungspaket-Formulare
Das ist nicht nur Papier!

Das ist nicht nur Papier. Antworten sind jedoch so reich wie die Menschheit: Es gibt nicht immer nur eine Lösung, sondern der Berg der Alternativen ist unermesslich; sogar verwaltungstechnisch. Am Ende einer jeder Leistung steht ein Mensch, auf beiden Seiten!

Als Zen-Buddhistin sehe ich hier eine verdeckte Gier, eine Blindheit und einen Hass wachsen, der der Menschlichkeit nicht gut tut. Daher bitte ich darum, sich immer wieder der Welt der Fragen zu stellen und diese Fragen auch öffentlich zu formulieren. Das ist gelebte Demokratie. Tun wir es einfach, denn tun wir es nicht, hat die Gier, die Blindheit und der Hass die Chance ungehindert zu wachsen, wo wir doch alle lieber im inneren und äußeren Frieden leben wollen.

Doch der Friede entsteht nicht dort draußen, sondern die analoge Welt eines jeden einzelnen Menschen ist der Ort, der den Frieden reifen lässt und von dort geht er in die Welt und in die Herzen der Menschen.

Der große grönländische Schamane Angaangaq sagt: Schmelzt das Eis in euren Herzen!

Angaangaq: Schmelzt das Eis in euren Herzen!. Kösel-Verlag ...
Sehr zu empfehlen.

Vergesst niemals, dass jede Maßnahme, der ihr zustimmt, Auswirkungen hat, nicht nur auf das Andere und den Anderen, sondern auch auf dich selbst.

Seine Mutter sagte zu ihm: „Nur indem wir das Eis in den Herzen des Menschen schmelzen, hat der Mensch die Chance, sich zu ändern und sein Wissen weise anzuwenden.“

Tun wir es einfach!

Aus den Augen verlieren

Man entdeckt keine neuen Weltteile, ohne den Mut zu haben, alle Küsten aus den Augen zu verlieren. - André Gide

In unseren Kindertagen gründen wir Freundschaften. Wenn wir mit dem Leben fließen und älter werden, lösen sich diese Freundschaften oftmals einfach so auf. Der eine macht die Ausbildung und der andere jene. Die Aufenthaltsorte verändern sich und schon haben wir uns aus den Augen verloren. Manchmal geht es auch schleichend. Gestern waren wir noch gute Freunde und dann schwindet der Kontakt, ohne dass großartig etwas geschehen wäre. Der Fluss fließt einfach nicht mehr nebeneinander her, sondern die Flussbahnen trennen sich und fließen in andere Richtungen.

Wir können jedoch noch mehr aus den Augen verlieren. Die Augen stehen für Sichtbarkeit. Sie lassen uns Dinge sehen, auch wenn, wie die Wissenschaft eindeutig belegt, wir nicht wissen, was wir eigentlich sehen. Wenn die Nervenbündel sich zum blinden Fleck, an dem wir nichts sehen, zusammenballen, entsteht sozusagen eine Entleerung des Gesehenen. „Das Faszinierende am Experiment mit dem blinden Fleck ist: Wir sehen nicht, daß wir nicht sehen.“ (Maturana und Varela 1984, S. 23)

Makula (Gelber Fleck)
Der blinde Fleck beginnt mit der Gründung des Sehnervs!

Elektrische Impulse senden Informationen an das Gehirn. Was dann folgt, nennt die Wissenschaft Interpretation. Diese Interpretationen sind abhängig von Erwartungen, Mustern, Vorstellungen, Ansichten, Definitionen, Meinungen, Normen und Vereinbarungen. Außerhalb von diesen Vereinbarungen, andere Interpretationen als gewohnt zuzulassen, Umformungen zu erlauben, ist für uns Menschen äußerst schwierig. „Der Psychologe Jerome Brunner […] machte […] deutlich, daß wir nicht nur etwas Erwartetes leichter wahrnehmen als anderes, sondern auch besondere Schwierigkeiten haben, etwas wahrzunehmen, worauf wir nicht eingestellt sind. “ (Hayward Jeremy 1996, S. 18)

Wir sehen also sozusagen immer das, was wir sehen wollen, wovon wir schon ein Wort haben, eine Erklärung, eine Deutung, eine Beschreibung. „In Wahrheit ist jedoch schon das, was wir die Welt unserer Wahrnehmung nennen, kein Einfaches, von Anfang an selbstverständlich Gegebenes, sondern es »ist« nur, sofern es durch gewisse theoretische Grundakte hindurchgegangen […] ist.“ (Cassirer 2010, S. 36) Wir sehen also durch eine bestimmte Brille. Wer setzt schon eine Brille auf, durch die er nicht sehen kann?

Etwas aus den Augen verlieren, ist im alltäglichen Gebrauch eher negativ belegt, aber hier ist es jetzt zuerst einmal positiv, weil wir tatsächlich jetzt eine andere Brille ausprobieren.

Sherlock Holmes, Detektiv, Lupe, Lupen, Rohr
eine neue Brille

Es besteht einfach die Möglichkeit, dass Felder in unserem spontanen Blind-Sein/Augenverlust wachsen, die in ihrer unermesslich „leeren Fülle“ ein Möglichkeitsspektrum aufzeigen, dass Augen öffnet in einer noch nicht benutzten Art. Diese unbekannten Perspektiven zeigen sich, wenn wir Erwartetes aus den Augen verlieren und stattdessen mit allen Sinnen verändert Sehen lernen.  Schon im Johannesevangelium steht: „Hieraus sprach Jesus: ‚Zu einem Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die, die nicht sehen, sehend und die Sehenden blind werden.‘“ (Arenhoevel Diego, Deißler Alfons, Vögtle Anton 1965, 108, Joh.Ev.9,39)

Erst, wenn wir die Augen verlieren, können wir von vorne anfangen, lernen anders hinzuschauen, ohne uns in ein einfach Gegebenes zu verlieren.

In dem kleinen wunderschönen Film „Erbsen auf halb sechs“

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wird die Geschichte eines Theater-Choreographen erzählt, der nach einem Autounfall erblindet. Schön ist der Film, weil durch den Verlust der Augen, er langsam, ganz langsam beginnt eine Welt zu sehen, die ihm bisher unbekannt war. Er lernte den Regen sehend fühlen oder den Regen fühlend sehen. Sein Sehen wird zu Sehen ohne Vorgefertigtes. Es wächst ein neues Sehen heran, dass den ganzen Menschen immer mehr mit einbezieht.

Hat in unserer modernen Gesellschaft die Fixierung auf eine sehende Welt nicht so zugenommen, dass wir gar nicht mehr darum wissen, geschweige denn ahnen, wie groß unsere wirkliche Welt ist?

Was hindert uns Menschen die Tore zu öffnen, die wir nicht kennen? Was macht den Menschen Angst, dass sie die Türen verschließen? Sind nicht die Fragen statt Antworten das Öffnen von Türen und Tore? Fragen sind die Zündstoffe der Wissenschaften. Fragen sind die sichtbar gemachten Potenziale von Menschheit. Was wäre eine Welt ohne Fragen?

Fragezeichen, Warum, Frage, Verwechslung, Fragen

Fragen sind die Nährstoffe der Suppe, in der wir alle schwimmen. Eine einzige Antwort, verändert die Suppe. Sie kann genießbar oder ungenießbar werden. Wir entscheiden mit unseren Antworten und den daraus folgenden Handlungen, ob wir die Augen sehend oder blind lassen und somit die Suppe genießbar oder ungenießbar machen. Ein jedes Wesen dieser Welt schwimmt in dieser Suppe und richtet sie mit her. Ein jedes Wesen entscheidet mit, durch und in seinem Tun, Handeln und Entscheiden ganz für sich allein, wie diese Suppe schmeckt. Ist die Suppe Ausnahmezustand die Antwort auf die Frage einer Virusinfektion? Ist die Suppenbeigabe Maske eine Antwort auf die Frage nach einer Ansteckung?

Wenn wir uns trauen, die Augen zu verlieren, können wir neue Welten entdecken. Wir können ein Sehen aufwecken, dass uns zum Beispiel Augen öffnet für Wirklichkeiten, die auch möglich sind.

Möglichkeit, Wegweiser, Option, Viele, Auswahl, Chance
Es gibt nicht nur eine Antwort. Möglichkeit 1,2,3,4,………..

Photovoltaikanlagen auf jedem Haus, betreut von Energiewerken, erhält Arbeitsplätze, schafft Arbeitsplätze, vernichtet keine landwirtschaftlichen Flächen, spart fossile Energien. Artenreichtum bleibt erhalten. Macht und Geldgier wird in menschliche Bahnen gelenkt. Die Suppe wird essbarer für alle Wesen auf dieser Welt.

Forschungsgelder für Bildung, Lebensbedingungen, menschliche globale gegenseitige Kooperation statt für Waffen-und Rüstungsindustrie zu investieren, bedeutet die gewohnten Augen zu verlieren und neue Augen zuzulassen. Statt 2020 für Verteidigung 45, 64 Milliarden Euro auszugeben, wäre eine solche Summe wohl eher geeignet für Bildung und Forschung, deren Budget nicht einmal halb so groß 2020 war mit 20,31 Milliarden Euro.

Was sollten wir schützen müssen, wenn wir keine Angst haben? Das Wort „schützen“ steht in seiner ursprünglichen Bedeutung für „in einen geschlossenen Raum bringen, einfrieden, absondern, verschließen“. Ist das die Antwort auf die Fragen der Welt?

Ein jeder von uns ist am Suppe kochen beteiligt. Wir alle kochen die Suppe, die wir essen. Wir sind drei G oder vier G oder fünf G. G für gesund. G für gesegnet. G für ganz. G für Gast. G für geboren. G für geistig. G für Geradheit. G für geraten. G für Geschöpf. G für gewärtig. G für glücklich. G für groß. G für gut.

Die Vielfalt der G ist größer als drei. Die Vielfalt der Menschheit ist größer als die sinnliche Wahrnehmung es uns vorgaukelt. Lasst uns blind werden und anders sehen lernen. Dann schmeckt die Suppe vielleicht einmal dem größten Teil aller Wesen dieser Erde.

Beim Orakel in Delphi stand einst: Erkenne dich selbst! In diesem Sinne wünsche ich uns allen: Erkenne dich selbst! Sei kein Hindernis für die Menschlichkeit und mache die Suppe genießbar für alle! Tue dies mit tiefer Zuneigung für alle! Fange an die Augen zu verlieren und sehend zu sein!

Neue Wege gehen

Beim erneuten Lesen und Nacharbeiten des Buches von Merlin Sheldrake „Verwobenes Leben“

Verwobenes Leben als Buch (gebunden)

begegnete ich dem Verwobensein der Organismen. Zwei Anthropologinnen, Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Leben des Menschen beschäftigen, sprechen von einer „Involution – von einem Einbeziehen“.

„Während der gesamten Menschheitsgeschichte war die Partnerschaft mit anderen Organismen sowohl für Menschen als auch für alle anderen Lebewesen von großer Bedeutung. Die Beziehung des Menschen zum Getreide brachte neue Formen der Zivilisation mit sich. Die Beziehungen zu Pferden ermöglichten neue Formen des Transports. Die Beziehungen zu Hefe erlaubten neue Formen der Produktion und Verbreitung von Alkohol. In allen Fällen definierten die Menschen und ihre nicht menschlichen Partner neue Möglichkeiten. […] Die Anthropologinnen Natasha Myers und Carla Hustak […] schlagen […] das Wort ›Involution‹- von ›einbeziehen‹ […] vor. […] Für sie beschreibt der Begriff Involution viel besser das verwobene Schieben und Ziehen von ›Organismen, die ständig neue Wege erfinden, um mit-und nebeneinander zu leben‹.“ (Sheldrake 2020, S. 214)

Wenn wir jetzt unser aller Leben betrachten, gerade jetzt, was geschieht heute hier und jetzt in unserer aller Welt? Ist die Frage des Einbeziehens noch in unserer aller Geist oder existiert nur das Aussondern, Abtrennen, Abschieben, Outsourcen, Verinseln und Wegnehmen?

Outsourcing-Konzept - Lizenzfrei Outsourcing Stock-Foto

Derzeit werden Angst-Mauern gezogen zwischen Geimpft und Nicht-Geimpft. Es bestehen Trennwände zwischen Behindert und Nicht-Behindert. Es werden Räume für Sterbende und Lebende geschaffen. Kinder leben auf Inseln, die den Namen Kindergarten, Schule, Betreuung heißen. Eine gelöste Verbindung des verbundenen lebendigen Lebens nach dem Anderen. Wie sehen wir diese Räume? Nehmen wir sie wahr? Was bedeuten sie für eine Gesellschaft, für ein Land, für eine Welt?

Menschen sind unterschiedlich. Menschen können diese unendliche Vielfalt nutzen und sie können sie verdammen. Manchmal habe ich gerade derzeit das Gefühl, dass die Vielfalt der Organismen eher als Hindernis, als Bremse, als Schaden betrachtet wird, die einem lediglich Angst macht, aber sonst keinen Effekt kennt. Was sehen wir jedoch nicht, wenn wir nur zur Angst schauen? Was verbirgt sich hinter jeder einzelnen Angst? Welche Welt, fragte Chomsky, wollen wir? Eine Welt, die in immer kleinere Räume zerteilt wird? Eine Gesellschaft, deren Familienbande sich auflösen, weil Krank-Sein und die Möglichkeit sowohl des eigenen als auch das Sterben eines Liebgewonnen Schmerzen bereiten könnte?

Doch gerade die Vielfalt hat die Menschheit dahin geführt, wo sie heute steht. Gerade die Vielfalt entfaltet Lösungen, Möglichkeiten, die eine Chance sind, Schwierigkeiten zu lösen. Gerade die Vielfalt sorgt für Entwicklung, ermöglicht das Fortbestehen des lebendigen Lebens. Heute las ich im Wochenspiegel von Coburg, dass Edison am 4. September 1882 nach vielen Jahren das erste Stromnetz für einen Bereich in New York schaltete. Das ist eine Antwort der Vielfalt.

Personen, Menschen, Gesichter, Monitor, Perspektive

Ob wir Tierarten aussterben lassen, Völker ausrotten, Natur und somit Insekten- und Pflanzenwelten zerstören, ist nicht unwichtig oder egal. Ein jedes Wesen steht für Vielfalt, für Kraft, für Energie, für Lebendigkeit, für Welt. Immer nur auf ein Teil zu sehen, immer nur Reduktion zu betreiben ohne die Gesamtheit des Lebendigen im Blick zu haben, es an die erste Stelle des Handelns zu setzen, verlieren wir wertvolle Kräfte, die all unsere Fragen zu Energie, Wasser, Luft, Arbeit, Wohnen, Gemeinschaft leben, jung und alt, sterben und leben, Sprachen und Völker mit beantworten. Unser aller Leben hängt von dem Zusammenleben aller Organismen ab. Kein Steak ohne Heu. Kein Soja ohne anbauenden Hände. Keine Abwasserentsorgung ohne Leitungen. Keine Früchte ohne Wind und Insekt.

Biene auf Löwenzahn - Lizenzfrei Biene Stock-Foto

Gerade in diesen letzten eineinhalb Jahren konnten wir zusehen, wie sehr die Welt zusammenhängt. Jegliche Trennung löste sich in Luft auf. Diese winzig kleinen Wesen, die der Gruppe Viren zugeordnet werden, kennen keine Grenzen, weder staatliche noch menschliche. Es ist ein lebendiges Leben wollendes Wesen und es sucht sich seinen Lebensraum. Das wir vielleicht wie vor hunderten Jahren wie bei der Pest mit Schuld daran sind, dass diese Situation entstand, scheint fraglich. Denn, was sollten wir daran für eine Schuld tragen? Die Pest wurde doch von Ratten übertragen, aber Ratten gab es, weil die Abwässer auf den Straßen standen. Niemand machte sich Gedanken darum. Niemand schaute hin, dass dies vielleicht doch auch anders gehen könnte. In München ging Max von Pettenkofer neue Wege. Viele Hindernisse hatte er dabei zu überwinden.

Ist es nicht im Angesicht derartiger möglicher Perspektiven mehr als bedenklich, Grenzen dicht zu machen, das Sterben von Millionen von Menschen in Kauf zu nehmen, die nicht an dem Virus erkranken, sondern verhungern, an anderen Krankheiten wie vermehrt an Pocken (Indien) sterben, anstatt neue Wege zu beschreiten? Ist Impfen noch eine Antwort im 21.Jahrhundert? Sind nicht andere Wege denkbar, vorstellbar, erreichbar? Unsere körperliche und psychische Welt hält da eine unendliche Welt parat. Sollten wir nicht hinsehen, ob es nach 200 Hundert Jahren Impfen nicht noch andere Wege gibt?

Natur, Laufen, Wald, Baum, Holz, Draussen, Landschaft

Leiden der Menschen sind Leiden von Tieren und von Pflanzen. Wir hängen aneinander. Wir sind nicht unabhängig voneinander zu sehen. Ein blühender Baum in China ist genauso wichtig wie das Leben des an Aids- Erkrankten Kindes in Afrika. Sie sind menschliche Welten, deren Himmel und Erde mehr als deutlich Grenzenlosigkeit zeigt. Oder haben Sie schon einmal einen begrenzten himmlischen Kosmos gesehen?

Erst der Zusammenhalt von allen, löst unsere wirklichen Schwierigkeiten. Seltene Erden, Ressourcen wie Wasser und Luft sind keine Verkaufsschlager, sondern sind Leben. Was tun wir, wenn wir sie von uns abtrennen? Erschaffen wir so nicht erst die Möglichkeit darüber zu verfügen? Wäre hier ein Denken und Handeln von neben-und miteinander, würden wir dann nicht andere Wege gehen und Entscheidungen treffen?

Teller, Kuchengabeln, Kuchenkrümel, Alle, Aufgegessen
Nebeneinander und Miteinander. Kein Essen ohne dies.

Keiner von uns kommt mehr ohne Handy und Computer aus. Doch, dies erfordert Energie. Dies erfordert Material. Dies erfordert ein Speichermedium. Dies sind keine Dinge, die aus dem Himmel fallen. Es sind Dinge unserer aller Welt. Wir leben zusammen. Zerstören wir die Dinge und bauen uns einer Bilderwelt in Computerwelten auf, so scheint dies realistisch, aber es sind und bleiben nur Bilder.

Bilder sind nicht essbar, nicht fühlbar, nicht schmeckhaft, nicht riechbar, nicht hörbar. Das Einzige, was Bilder uns bieten, ist eine Sichtbarkeit. Und bei genauem Hinsehen können wir sogar erkennen, dass diese Bilder nicht einmal einer wirklichen sichtbaren Welt angehören, sondern nur Zahlenfolgen sind, die einer Rechenfolge folgt und somit nicht einmal verändert werden kann. Dieses eine Bild ist dieses eine Bild. Eine Variation spontan aus einem unmittelbaren Erleben existiert hier nicht. Dies würde eine neue Berechnung voraussetzen, die erst geschrieben werden muss.

Neourban, Laptop, Hardware, Computer, Keyboard, Desktop
Algorythmen

Spontanität, Impulsivität, Intuition, Direktheit, Unmittelbarkeit, Echtheit erleben, frische Lebendigkeit, ursprüngliche Lebendigkeit verliert an Kraft. Doch genau diese Kraft hat über Jahrmillionen uns alle hervorgebracht. Die Teile-Welt wie bei einer Zoom-Konferenz, in der Oberkörper und Köpfe einander sehen, aber wir keinen Geruch, Geschmack, keinerlei hörbare Körperbewegung uns von dieser anderen menschlichen Welt mehr begegnet, macht unsere Welt so klein wie sie vielleicht noch nicht war, seid wir Menschen unser aller Welt beleben.

Virtual Conference Tools > FRANK B SONDER

Wenn eine Diskriminierung, wenn eine Aussonderung, wenn eine Ausnahme zur Regel wird, was bedeutet dies für unsere Welt? Was passiert mit uns Menschen gerade? Was hindert den Menschen, die freie Entscheidung eines Menschen nicht zu respektieren, zu akzeptieren, zu bejahen? Was hindert den Menschen, eine andere Überzeugung zu vertreten? Menschliche Fragen! Philosophische Fragen! Sichtbar mehr als deutlich jetzt.

Haben wir Menschen wirklich völlig vergessen, dass diese Welt, auch die menschliche Welt mehr ist als Material? Ist MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) die ganze Welt? Wo ist KLIPH (Kunst, Literatur, Philosophie)? Was wäre, wenn KLIPH gleichberechtigt behandelt würde? Was wäre, wenn es KLIPH auch gäbe? Denn vielleicht wissen Sie es nicht, KLIPH kennt keine Schule, kein Ministerium, weil es nicht existiert. Was bedeutet dies für eine menschliche Gesellschaft?

Jeder Mensch weiß um seine Nicht-Materialität, denn wer von uns hat schon jemals seine eigenen Gedanken gesehen? Wer von uns hat sein Gefühl schon gesehen? Wer von uns hat seinen Geschmack, Geruch, Gehör, Schmerz, Freude, Glück, Trauer schon gesehen? Wir kennen nur einen Ausdruck, jedoch kein Bild. Die geistige Aktivität, deren Kraft die Unmittelbarkeit ist, der schnell auftauchende Gedanke, das in Sekundenschnelle Aufleuchten eines Gefühls, das Wahrnehmen eines Geräusches, all dies ist unsichtbare Kraft. Was verlangen wir also von uns Menschen, wenn wir plötzlich, die Entscheidung eines Menschen nicht mehr bejahen, wenn wir seine Entscheidung zwingen wollen, das Gleiche zu tun wie du selbst es tust, was verlangen wir hier?

Es ist das Aufgeben von Vielfalt, von der geistigen Kraft der Freiheit, die sich ausdrückt in Mannigfaltigkeit, in Spektren, in unterschiedlichen Räumen, in vielfältigem Reichtum. Schränken wir uns weiterhin mit Verordnungen ein, schützen wir uns nicht mehr, sondern machen uns kränklich und klein. Dann reicht ein Windstoß und wir fallen um. Kraft und Stärke entsteht durch Vielfalt, durch Verwoben-Sein, wie Sheldrake sagen würde, durch die Bejahung des vollständigen Lebens und nicht nur von Teilen. Zu einem Mit-und Nebeneinander gehört das Kennenlernen wollen dieser anderen Lebensform, das Mitteilen, einfach das Lernen wollen. Neugier. Mut. Selbstständige Fragen und selbstständige Antworten. Nicht Wissen vor Wissen, denn das hält neugierig, das bewahrt vor Vorurteilen.

Bretter, Höhe, Balancieren, Schwindelfrei, Verrückt

Wenn wir in der Zazen-Meditation sitzen, erfahren und erleben wir genau dies. Wir sehen die Verwobenheit Atemzug für Atemzug. Ohne Luft von außen keine Luft innen. Ohne Ausatmen von innen nach außen kein Überleben einer einzigen Zelle. Ohne aufrechtes Sitzen kein freier Atemraum. Wir sehen die Vielfalt Moment für Moment. Jeder Atemzug ist anders. Jeder formt sich anders, tut, was gerade notwendig ist. Diese Formung geschieht ganz von allein. Die Lösung liegt im Tun des Atems. Ihn Tun lassen, was zu tun ist. Je mehr wir regeln wollen, je mehr wir steuern wollen, je mehr wir meinen die Richtung vorgeben zu müssen, um so mehr entfernen wir uns von der einfachsten und intuitiv sofortigen richtigen Antwort.

Der eigenen Kraft zu begegnen, ist mit Zergliederung in Teilen nicht möglich, denn die Kraft ist immer schon vollständig. In diesem Sinne lassen sie uns doch einfach einmal neue Wege gehen. Wege, die nach fast 20 jähriger Vereinzelung und Teilung der Menschheit wieder die Gesamtheit im Auge hat. Ist wirklich ein Mensch allein lebensfähig?

Die Gesamtheit der Welt, ein Welt-Bürgertum eines Humboldts :„Wenn wir eine Idee bezeichnen wollen (…), so ist es die Idee der Menschheit, das Bestreben, die Grenzen, welche Vorurteile und einseitige Ansichten aller Art feindselig zwischen die Menschen gestellt, aufzuheben und die gesamte Menschheit ohne Rücksicht auf Religion, Nation und Farbe als einen großen, nahe verbrüderten Stamm, als ein zur Erreichung eines Zweckes, der freien Entwicklung innerer Kraft, bestehendes Ganzes zu behandeln. Es ist dies das letzte, äußere Ziel der Geselligkeit und zugleich die durch seine Natur selbst in ihn gelegte Richtung des Menschen auf unbestimmte Erweiterung seines Daseins“. Eine Bürger-Gesellschaft von Paul Feyerabend. Eine Welt, die nicht nur wirtschaftlich aus Geldinteressen zusammenwächst, sondern eine Welt, die menschlich zusammenwächst. Eine Welt, in der die Menschen sehen und erfahren, dass sie niemals getrennt sind von anderen und dass diese eine Welt unserer aller Welt ist, für die es sich lohnt neue und andere Wege zu gehen. Wege, die die Verantwortung kennen. Wege, die die Akzeptanz und Respektanz des Anderen, egal ob Mensch, Tier, Pflanze als das Höchste einschätzt.

Der Sinn des Lebens | Rubikon
Vielfalt. Reichtum. Lebensraumakzeptanz.

Ich wünsche uns allen einen menschlichen Reichtum, der sich in einem menschlichen Tun übersetzt. Der Philosoph Ortega y Gasset schreibt vom Menschen als utopischen Wesen, dass der Mensch durch das, was er tut, durch sein Verhalten sich erhebt. Aus diesem Grunde solle er immer wach-sam auf sich selbst sein.

Genau dies ist die Übung der Zazen-Praxis, wachsam auf sich selbst sein. Nur so können wir lernen, uns selbst zu erkennen, zu verstehen und je mehr wir von uns selbst erfahren, je mehr erfahren wir das Mensch-Sein und somit Welt-Sein.

Daher bitte ich uns alle als menschliche Wesen: Vergessen wir nicht, dass wir Menschen sind mit der Achtung und Würde mit und neben allem lebendigen Sein!

Baum des Lebens ~ Sydney Foto & Bild | australia, park ...
Was weiß ein so alter Baum, der um vieles älter wird als ein menschliches Leben?

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Kants Erkenntnistheorie
Immanuel Kant

Immanuel Kant schrieb im Dezember 1783 diesen berühmten Satz zu Beginn seiner Abhandlung „Was ist Aufklärung?“

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Thema Mündigkeit derzeit bei den Menschen vergessen wird. Dabei schreibt Kant ganz klar: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursachen derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere, aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Kant spricht von Mut. Er spricht von Selbstverschuldung. Er erinnert darin, selbstständig zu denken. Er weist darauf hin, sich nicht von Definitionen, Vermutungen, Meinungen, Erklärungen Einzelner abhängig zu machen, sondern tatsächlich selbst „mündig“ zu sein, das heißt Verantwortung für sich zu übernehmen und dafür einzustehen, was wir als individueller Geist zu bemerken haben, auch öffentlich, nicht nur privat.

Construction workers eat their lunch atop the RCA Building in New York
Neun Jahre dauerten die Arbeiten am Rockefeller Center, das 21 Hochhäuser umfasst. Das Foto zeigt die Arbeiter, wie sie das heutige GE Building errichten.
(Foto: REUTERS)

Kant spricht aus, dass es nur eine „Aufklärung“ gibt, wenn genau diese Mündigkeit entsteht, wenn die Menschen mutig sind, „ohne Leitung eines anderen“, eine Lage, ein Ding, eine Situation für sich selbst zu bedenken, zu durchdenken. Heidegger sprach in seinen Vorlesungen zum Thema: „Was ist Denken?“ davon, dass »das Bedenklichste ist, das wir noch nicht denken«. Sollte das wirklich der Fall sein?

Kant erklärt in seiner Abhandlung weiter: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen (…), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht ward, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.“

Kant sagt ganz klar, dass wir Menschen längst frei sind. Die Natur, die Welt erschafft Bedingungen, die es bereits den Menschen erlaubt, sich frei zu bewegen. Heute ist es möglich, ganz egal unter welchen Bedingungen oder mit welchen Schicksalen, dass Menschen von überall auf der Welt sich bewegen können. Ob es eine Flucht sei oder ein freiwilliger Wechsel des Landes – es ist möglich.

Flucht im Winter 1944/45 , obwohl die SS-Einheiten vor Ort, die Flucht verboten. Mein Oma, meine Mutter damals 9 Jahre alt waren dabei.

Doch, obwohl wir aufstehen können, uns frei bewegen können, unsere aufgeklärte – klare Haltung zu einer Sache klar und offen formulieren können und dürfen, halten sich die meisten Menschen still zurück und lassen andere über ihr Leben und ihr Sein bestimmen.

U1 zu Homo sacer

Der italienische Philosoph Giorgo Agamben stellt in seinem Buch „Homo sacer“ den Ausnahmezustand dar. Er legt dar, dass in einem Ausnahmezustand gewohnte Regeln und Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Er legt dar, dass ein Ausnahmezustand ein Akt der Gewalt ist. Der Ausnahmezustand werde jedoch begründet mit dem Schutz der Gemeinschaft und Erhaltung einer Ordnung im Katastrophenfall. Das heißt, es wird eine Ordnung aufgelöst, um Ordnung zu erhalten – eine Paradoxität!

Steht nicht nun die Frage im Raum, wann dieser Ausnahmezustand aufgelöst wird? Steht nicht die Frage im Raum, ob wir derartige Situationen anders lösen können? Steht nicht die Frage im Raum, warum ein Gesetz geschaffen wurde, dass einzige und allein dem Bundeskanzleramt die Möglichkeit gibt, jederzeit das Infektionsschutzgesetz in Kraft oder außer Kraft zu setzen? (Viertes Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite vom 22. April 2021)                      

Ist da nicht die Frage nach Demokratie erlaubt?

Das geht soweit, dass eine renommierte Zeitung wie die Zeit auf der Titelseite einen Artikel mit dem Titel „Frei und immun“ von Mark Schieritz veröffentlicht. Hier werden die Menschen vor aller Augen in zwei Teile gespalten. Nicht nur das. Die Menschen, die sich nicht impfen lassen, obwohl sie ja freie Menschen sind, werden verglichen mit einem Fabrikbesitzer, der das Gewässer verunreinigt, so dass andere zu Schaden kommen. Gesundheit wird zur Krankheit gemacht. Völlig außer Acht gelassen wird, dass keine verordnete Impflicht besteht, die beinhalten würde, dass die Regierung für nicht ausreichend getestete Impflösungen die Folgen übernimmt. Es geht hier nicht um Gegenwehr.

Es geht um Perspektivität! Es geht um Vielfalt. Es geht um Durchblick und somit um freies Denken! Über 99 % der Weltbevölkerung sind gesund. Dies ist eine Perspektive, aus der wir schauen können. Warum schaut keiner in diese Richtung? Neu gegründete Parteien wie die „dieBasis“ erinnern an andere Perspektiven.  Mich erinnert „dieBasis“ an den Philosophen Paul Feyerabend und sein Buch  „Erkenntnis für freie Menschen“.

Erkenntnis für freie Menschen von Paul Feyerabend ...

Dort legt er eine bürgernahe Gesellschaft nah, in der „Bürger und Gruppen von Bürgern, die die Kontrolle ausüben, ständige die Errungenschaften und die Auswirkungen der mächtigsten Institutionen untersuchen, beurteilen und, wenn nötig, korrigieren.“ Bürger, die mutig sind, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen.

Einen Menschen, der sich seines Grundrechtes bedient als einen Verschmutzer der Gesellschaft und als ein „Großproduzent von externen Effekten“ zu betiteln, ist nicht nur menschenverachtend, sondern schlichtweg unmenschlich. Ein Ökonom ist die Grundlage der Aussage des Journalisten. Wie wäre es einmal die Brille des Philosophen, des Psychologen oder Soziologen zu bedienen? Gleichzeitig – eine Frage – viele Antworten- Mündigkeit!

Die Frage einer Impfung ist nicht nur ökonomisch zu sehen und hier sei nur am Rande erwähnt, dass nirgendwo die Nebenwirkungen der Impfungen registriert werden. Weder die Todesfälle, noch die Erkrankungen, die auftreten und zum Teil zu monatelangen Leiden führen, wie z.B. einer Gürtelrose nach Impfung. Erwähnt wird auch nicht, dass die Intensivstationen unseres Landes zu keinem Zeitpunkt überdimensional gefüllt waren. Es wird auch nicht erwähnt, dass die Regierung Impfstoffe zuließ, die in der Regel niemals eine Zulassung erfahren hätten wegen viel zu kurzer Testzeiten. Es wird auch nicht erwähnt, dass es noch ganz andere Mittel gibt, seine Gesundheit zu bewahren und was zu tun möglich ist, wenn das Virus eine Infektion bei uns auslöst. Es wird auch nicht erwähnt, dass selbst schwer kranke Menschen gesundet sind. Es wird auch nicht erwähnt, dass der überwiegende Teil der Erkrankten gar nicht im Krankenhaus war. Die Kosten der Allgemeinheit sind bereits entstanden durch Schließung von Schulen, Kindergärten, Betrieben, Gaststätten, Kultureinrichtungen usw. Der Schaden, der hier angerichtet wurde, wird uns in den nächsten Jahren nachlaufen. Es geht hier nicht um Impfung oder Nicht-Impfung. Es geht hier um Mündigkeit sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

„Frei und immun“ sind wir stets schon, weil wir leben in einem demokratischen Land, so hoffe ich jedenfalls immer noch. Wenn Kant weiter darlegt, dass „der bei weitem größte Teil der Menschen (…), den Schritt zur Mündigkeit außerdem, dass er beschwerlich ist, auch für gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, dass diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt aus dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen.“

Zu diesem Abschnitt brauche ich wohl weiter nichts sagen. Er spricht für sich.

Er schreibt, dass „es nur wenige gibt, denen es gelungen ist, durch eigenen Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit herauszuwickeln und dennoch einen sicheren Gang tun.“

Von Sünde, Hingabe und dem aufrechten Gang | kurier.at
Aufrechte Haltung voller Hingabe und Anmut

Irgendwie erinnert mich diese Stellen an die Zazen-Praxis. In der Meditation Zazen wickeln wir unseren Geist und unseren Körper, unsere Seele vor uns aus. Wir schauen wie auf einer Leinwand zu, was sie uns berichten. Dadurch erlangen wir Erkenntnisse und Erfahrungen, die wiederum dazu führen, dass wir unseren Geist aus seiner Unmündigkeit befreien, weil wir ihn sehen lernen. Durch dieses Sehen lernen, erhalten wir die Chance ihn gestalten zu können. Durch das Gestalten können wir erfahren, dass unser Gang sicherer wird, dass unsere Intuition wächst, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Ja, die Bearbeitung des Geistes macht frei.

Thich nhat hánh, ein vietnamesischer Mönch, der sich zeitlebens für den Frieden eingesetzt hat. Ich kann seinen letzten Brief empfehlen zu lesen.

In der Zeitausgabe vom 29.Juli 2021 wurde die Idee 59 vorgestellt, eine von den Ideen für die Zukunft. Diese Idee steht ein für einen inneren Kompass. Hellena Horst, die die Ausstellungsräume der Erfurter Firma Topf und Söhne, die einst die Verbrennungsöfen für Auschwitz herstellten, mit den Journalisten durchwandert, weist immer wieder auf den inneren Kompass hin.

Der innere Kompass, der, wie sie sagt, wichtig sei für ein gutes Leben. Nicht nur die Zazen-Meditation hilft diesen inneren Kompass/Intuition/Authentizität neu zu entdecken, zu entwickeln, sondern auch das mutige selbstständige Denken eines Menschen.

Ja, es ist anstrengend. Ja, es ist nicht leicht, aber es ist auch nicht so schwer, dass es nicht gelingt.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen:

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Habe Vertrauen zu deinem inneren Kompass! Höre auf die kleine erste Stimme, die leise zu dir spricht und dich erinnert, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Mit vollem Sinn sich für Menschlichkeit zu entscheiden, bedeutet, ein menschlicher Mensch zu sein.

Mit meiner Freundin ein Kreativ-Wochenende auf den Helfensteinen bei Kassel. Mensch sein in allen Facetten. Spontan. Hier und Jetzt.

Ein menschlicher Mensch kann sich seines eigenen Verstandes bedienen, eine Maschine kann dies nicht. Ein menschlicher Mensch besitzt eine Intuition, eine innere Weisheitsstimme.

„Sapere aude!“ „Wage es, weise zu sein!“

Hans-Peter Dürr nennt dies so und damit beschließe ich diesen Aufruf, auch im Hinblick auf eine Wahl, die in nicht einmal zwei Monaten stattfindet und keinerlei Gehör findet. Eine Bundestagswahl! Unsere Sicherheit der Demokratie?

Geist, Kosmos und Physik von Hans-Peter Dürr - Buch ...

„Die Wenigen, die heute deutlich erkennen, dass wir aufgrund einer relativ kleinen, politisch mächtigen Minderheit uns auf einem ganz gefährlichen Pfad der Selbstvernichtung befinden, diese Wenigen müssen nicht sechseinhalb Milliarden Menschen überzeugen, welchen Weg wir alle dringend einschlagen müssen, um die große Katastrophe zu verhindern, sondern es wird nötig sein, alle Menschen daran zu erinnern, was sie intuitiv eigentlich schon alle wissen: Den Grundprinzipien des Lebendigen folgen, die in den vergangenen dreieinhalb Milliarden Jahren die faszinierende, unbeschreiblich wunderbare Evolution des Lebens auf unserer Erde, uns als Menschen eingeschlossen, ermöglicht hat. […] Dies verdanken wir hauptsächlich unseren Frauen, die im Verlauf der Geschichte des Menschen durch ihre geduldige, mühselige tägliche Arbeit dieses ständige Wachstum des Lebens ermöglicht haben und keine Zeit hatten, ihren entscheidenden Beitrag der Nachwelt schriftlich zu überliefern.“ (Dürr 2010, S. 138–139)

Literaturverzeichnis

Dürr, Hans-Peter (2010): Geist, Kosmos und Physik. Gedanken über die Einheit des Lebens. Deutsche Originalausgabe. Amerang: Crotona.

„Klare Wechselseitigkeit“ – „Sei dir im Klaren über Ursache und Wirkung“

Der erste Juli Sonntag beginnt mit Wärme und einer wässrigen Sonne. Doch wir wissen aus der Zazen-Praxis, dass das Leben und somit auch das Wetter so ist wie es ist. Wir üben den gegenwärtigen Augenblick anzunehmen ohne Wenn und Aber. Wir wissen auch wie schwer dies oft ist. Manchmal ist es ganz leicht. Wir sitzen wie ein weißer Schwan. Dann ist es wieder ganz schwer. Der Schwan wird schwarz und schwer. Doch, es bleibt ein Schwan.

Im Shinjin inga, übersetzt „Tiefes Vertrauen in Ursache und Wirkung“ erzählt Dōgen Zenji eine Geschichte.

Werner Kristkeitz Verlag, Shobogenzo, Band 4,

˃Immer, wenn der Zen-Meister Daichi einen Vortrag hielt, war ein alter Mann dort. Immer, wenn die Versammlung beendet war, verschwand er. Eines Tages jedoch blieb er. Der Meister fragte ihn: „Was ist das für ein Mensch, der da vor mir steht?“ Der alte Mann antwortete: „Ich bin kein Mensch. Vor langer Zeit, in den Tagen des Kāsyapa Buddha, war ich Meister auf diesem Berg. Eines Tages fragte mich ein Schüler: `Fällt selbst ein großer Praktizierender Ursache und Wirkung anheim? ` Ich antwortete ihm: „Er fällt der Ursache und Wirkung nicht anheim.“  Seitdem bin ich fünfhundert Leben lang immer wieder in den Körper eines wilden Fuchses heineingefallen. Nun bitte ich Euch, Meister, mir ein Wort zu sagen, das mich verwandelt. … Und dann fragte der alte Mann den Meister: „Fällt selbst ein großer Praktizierender Ursache und Wirkung anheim?“ Der Meister antwortet: „Sei dir über Ursache und Wirkung sehr wohl im Klaren.“ Bei diesen Worten erwachte der alte Mann. Er warf sich vor dem Meister nieder und bat ihn, den Fuchs, den er finden würde hinter dem Kloster mit allen Ehren zu bestatten.

Was ist hier passiert? Ich nenne es die Verdeutlichung der „klaren Wechselseitigkeit“. In unserem Alltag befinden wir uns meistens auf einer Seite der Lebens-Medaille. Emotional sind wir mal traurig, mal froh. Finanziell sind wir mal ausgelastet, mal überlastet. Familiär sind wir mal eng, mal weit. Unsere Körper, unser Geist ist manchmal gesund, manchmal krank. Doch, was bedeutet „klare Wechselseitigkeit? Was bedeutet es, die Fähigkeit von Ursache und Wirkung nicht zu vergessen?

Surreale Landschaft mit einer geteilten Straße und Wegweiser Pfeile zeigt zwei verschiedene Kurse, linke und rechte Richtung zu wählen. Die Straße teilt sich in unterschiedliche Richtung. Schwierige Entscheidung, Wahlkonzept. - Lizenzfrei Wahlmöglichkeit Stock-Foto
Wechsel der Seiten, der Richtungen – doch, wo ist die „klare Wechselseitigkeit?

Normalerweise betrachten wir derartige Verbindungen von Ursachen und Folgen in der Verbindung mit der Außenwelt. Wir hören uns sagen, dass seine oder ihre Taten nicht ohne Folgen sind. Ein/e RaucherIn weiß um die Gefahr. Ein Freeclimer weiß ebenso darum. Ein Mensch, der sich schädlichen Stoffen auf der Arbeit aussetzen muss, weiß manchmal nicht um die Folgen, trägt sie dann aber. Asbest oder Lacke sind ein Beispiel dafür.

In der Zazen-Praxis bleiben wir jedoch nicht bei Ursachen und Wirkungen im Zusammenhang mit der Außenwelt verhaftet. Wir beobachten diese Ursachen und Wirkungen hier bei uns selbst. Bei unserem Körper, bei unserem Geist. Kommt der Gedanke xy bemerken wir, dass wir einen Schweißausbruch bekommen. Bei dem Schmerz in der Schulter merken wir, dass unser Herzschlag sich beschleunigt. Wir beobachten also auf kleinstem großen Raum unsere Ursachen – der Gedanke, das Schmerzempfinden – und die sofortige Aktivität als Wirkung – Schweißausbruch, Anstieg der Herzfrequenz. Ich zitiere noch einmal Dōgen aus dem oben genannten Text „[Ursache und Wirkung] [folgen] einander wie der Schatten einer Gestalt und wie die Schwingung einem Ton, und dass es auch nicht […] ein Tausendstel von Unterscheidung zwischen ihnen gibt.“ (Dōgen Zenji 2013, S. 239)

Was heißt jetzt „klare Wechselseitigkeit“ oder „sei dir im Klaren über Ursache und Wirkung“? Damit ist gemeint, dass wir weder zu sehr auf der einen noch zu sehr auf der anderen Seite wirken. Unsere Übung besteht darin, die Mitte zu halten, zu festigen, auszubauen, die „klare Linie“ sauber und klar bewegen. Da ist Ursache und Wirkung zum selben Zeitpunkt. Da ist der Wechsel der Seiten unsichtbar geworden. Wir bewegen uns genau auf beiden Seiten gleichzeitig. Das ist das Geheimnis von Zazen. Wir atmen ein. Wir atmen aus. Doch die Mitte, der Zeitpunkt, wo wir weder einatmen, noch ausatmen, wo wir einfach keinen Wechsel mehr vollziehen, gelingt uns der Augenblick des Zugleichseins auf beiden Seiten, die absolute Klarheit.

Weder oben noch unten. Nicht schlafend, nicht wachend. Nicht weiß nicht schwarz.

Diese Klarheit gilt nicht nur in dem Augenblick, in der wir sie bemerken, sondern sie gilt immer, auch wenn wir sie nicht bemerken. Doch der Wechsel von den beiden Seiten schwingt uns immer wieder weg von diesem Punkt der „klaren Wechselseitigkeit“ oder der „Klarheit von Ursache und Wirkung“, so dass wir mit jedem Schwung in eine Richtung eine Ursache mit gleichzeitiger Wirkung setzen.

Diese Momente enden nicht. Selbst wenn wir sterben, was im Sinne der Ungetrenntheit identisch ist mit dem leben, endet die „klare Wechselseitigkeit“ und deren Schwingen in die Richtungen nicht. Wir haben nicht mehr dieselbe Gestalt und Form, aber wie sagt Shunryu so schön: „Wenn jemand stirbt, dann mögt ihr sagen, er sei nicht mehr – aber ist es möglich, daß etwas völlig verschwindet? Das ist nicht möglich, genausowenig, wie es möglich ist, daß etwas plötzlich aus dem Nichts auftaucht. Etwas, das hier ist, kann nicht völlig verschwinden. Es kann seine Form ändern, das ist alles. Wir sind also immer eins.“ (Suzuki 2008, S. 181)

Baum-Wachstum drei Schritte In der Natur und schöner Morgen Beleuchtung - Lizenzfrei Wachstum Stock-Foto
So fängt ein Baum an.
Das ist Wachsen. Das ist Wechsel der Seiten, von klein zu groß und wieder von groß zu klein mit neuen Setzlingen, die sich aussäen. Doch, wo und was ist die „klare Wechselseitigkeit“?

Unsere Zazen-Praxis ermöglicht uns daher, immer wieder neu, die „klare Wechselseitigkeit“ sehen zu lernen, um so, so wenig wie möglich uns selbst und anderen weh zu tun. Ja, und dann sind wir wieder beim Herz-Sūtra. Da der Bodhisattva des unbegrenzten Mitgefühls um diese „klare Wechselseitigkeit“ weiß, weiß er auch um die Bedeutung und Größe dieser eigentlich ganz einfachen Übung von Zazen. Sich einfach hinsetzen, schweigen, beobachten, den Atem zählen, sich mit dem Atem vereinen, sich nicht bewegen, um uns dieser „Klarheit“ von Ursache und Wirkung anzunähern, die unser ganzes Leben klärt, ohne dass wir uns besonders anstrengen müssten. Wir sitzen einfach nur und der Himmel öffnet sich von selbst.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen Sonntag.

Ich freue mich weiter auf unser Üben. Möge der Himmel nicht über uns, sondern in uns aufgehen, sich aussäen und vermehren. Für alle!

Tiefes Gassho

Ellen