Blog der philosophische Gedanken

Montag, den 30. März 2020 „Freude“

Gerade las ich im Shobogenzo, das philosophische Werk des Zen-Meisters Dogen Zenji von den einhundertacht Toren. Eines dieser Tore ist die Freude als eine Klarheit, da sie friedvoll ist und einen gelassenen Geist hat.

Das Gesamt-Arrangement entstand in Brilon im Garten des Hauses. Lavendel, Mozartrosen und ein Buddha an einer Edelstahlkonstruktionen eines Brunnens, die mein Sohn gebaut hatte, aber dann nicht verwendet wurde.

In unserer jetzigen Zeit von Freude zu sprechen, scheint seltsam und dennoch wird sie neu von vielen entdeckt, aber auch von vielen verloren. Mütter, die nicht wissen, wo sie ihre Kinder unterbringen sollen. Mütter, die im Supermarkt weiterhin an der Kasse sitzen und Regale auffüllen. Mütter, die beim Bäcker stehen und Brot verkaufen. Frauen, die alte Menschen füttern, die Kindern zu essen geben, die essen kochen, die putzen gehen, die sich kümmern und pflegen, die den Mann unterstützen, die sich selbst vergessen. Ein home-office eröffnet die Freiheit der freien Zeiteinteilung und des Schlafes. Ein Zuhause-sein-müssen schließt die Tür zum Lesen, Handarbeiten, Werkeln und und und auf. Doch, egal, wie wir diese Zeit erleben, wir erleben sie, so wie wir dies selber tun. Wir können diese Augenblicke als Freude empfinden, die es neu zu entdecken gilt oder als Leid, das uns niederdrückt. Ob wir einen Menschen durch ein Virus verlieren oder durch einen Autounfall, es ist ein Verlust. Es entsteht eine Lücke. Wir können sie mit Tränen der Trauer füllen und wir können sie mit Tränen der Freude füllen. Der Tod ist menschlich. Das Leben ist menschlich. Beides gemeinsam ist er-wach-en und er-wach-sen. Die Anerkennung und die Toleranz auch einem Virus gegenüber bedeutet nicht Ausgrenzung, sondern Einbeziehen, in das, was wir Leben nennen.

Daher halte ich es lieber mit der Strategie der Schweden. Lasst das Virus sich ausleben. Die meisten Erkrankten merken ihn gar nicht und die 10%, die ihn merken, für die sollte alles getan werden, was Medizin und Psychologie leisten kann. Und, ja, Menschen werden sterben, aber das tun wir alle, wenn unser Faden zu Ende gesponnen ist. In diesem Sinne lasst die Freude in die Sinne. Der Frühling unterstützt uns darin. Die Schweden genießen ihn bei Sonnenschein sitzend in einem Café.

https://weather.com/de-DE/gesundheit/news/2020-03-28-anders-als-rest-der-eu-schweden-geht-in-corona-krise-sonderweg

Sonntag, den 29. März 2020 „Ausgewogenheit“

Ich weiß nicht, das Thema „Gleichgewicht“ veränderte sich in mir noch in „Ausgewogenheit“. Wenn wir Zazen praktizieren, dann wünschen wir uns diese Ausgewogenheit. Wir wünschen uns den Zustand des stillen Ruhens in uns, bei dem alles aufhört laut zu sein, bei dem es nur noch still ist. So still, dass selbst der Atem Pausen macht, um die Stille nicht zu stören. Heute war ich mit Manfred, der übrigens das Buch „Zen – in der Kunst heil zu werden“ geschrieben hat –https://zen-und-heilung.de/zen-in-der-kunst-heil-zu-werden/, im ehemaligen Grenzort am Grünen Band in Görsdorf spazieren.

Merkwürdigerweise ist es gerade hier ausgesprochen ruhig und friedlich, obwohl einmal militärische Kontrollen die Grenze sicherte, die sozusagen um das Dorf herumging und auch zur Schließung der alten Mühle führte.

Sind jetzt die Zustände wieder ausgewogen? Erst ein Zustand des Kampfes, den Zustand einer Grenze und nun ein Atmen von Freiheit, Ruhe, Ausgewogenheit? Übertragen wir dies auf unseren Virus, ist es dann nicht besser, den Zustand des Kampfes zu tragen, um anschließend die Ruhe und den Frieden genießen zu können? Warum wehren wir uns so lange gegen das Unvermeidliche? Warum lassen wir es zu, dass etwas wie ein nicht ausgewogenes Gesundheitssystem, das bisher auf Profit und somit auf Diagnostik mit teueren Apparaten und möglichst vielen Operationen aus war, nun deren mangelhafte Gesundheitsvorsorge z.B. in Form von kleinen Krankenhäusern mit kleinen Intensivstationen verdeckt wird durch eine Art Ausgangssperre? Wenn unser Land jedem Bürger einen Mundschutz zur Verfügung stellen würde, könnten wir fast gezielt, eine Durchseuchung erreichen, so vermute ich. Und wir könnten diese ganzen Milliarden Sonderausgaben an Steuergeldern einsparen, wenn wir tatsächlich ad hoc eine Grundsicherung für alle einführen würden. Was wäre dann ausgewogen?

1995 wurden Wölfe im Yellowstone Nationalpark ausgewildert. Was passierte, erzählt dieses Video besonders eindrucksvoll. Ausgewogenheit wurde erreicht, dadurch, dass der Mensch anerkannte, dass die Ausrottung eines Wesens nicht zum Ziel führte, sondern seine Anerkennung.

Eine neue Ausgewogenheit?

Übertragen wir dies auf unser jetziges Geschehen, würde dies bedeuten, das Virus sein Ding tun zu lassen und der Mensch agiert in seiner Weise dazu. Nicht Ausgrenzung, sondern Eingrenzen. Nicht Ablehnung, sondern ausgewogene Herangehensweise, oft Toleranz genannt. Nicht Verbote, sondern Gebote. Wenn Kinder etwas verboten bekommen, wollen sie dies erst recht. Was unterscheidet das Tun eines Virus in seiner Lebendigkeit von einem Kind in seiner Lebendigkeit? Anton Zeiliger, Quantenphysiker schreibt in seinem Buch „Einsteins Spuk“, dass die „Wirklichkeit von der Entscheidung des Beobachters abhängt, welche Messung er durchführt“. https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Zeilinger

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/da/Zeilinger_Group_Quantum_Fellowship_at_International_Academy_Traunkirchen.jpg
Anton Zeilinger

Was bedeutet dies auf unsere Situation übertragen? Wir schauen nur dahin, wo unser Blick hinschauen soll, aber wir öffnen den Blick nicht für andere und mögliche Perspektiven. Wie z.B. welche Information trägt das Virus in die Welt? Welchen Umgang mit ihm gibt es noch? War es unsere Un-aus-gewogen-heit, die es zum Erscheinen brachte? Was ist bei uns „unausgewogen“? Was will es uns zeigen? Zeilinger sagt, dass wir durch die Quantenphysik endlich gelernt haben, dass „wir niemals sämtliche Informationen bestimmen können“, dass heißt, wir werden das Virus auch niemals genau kennen und seine Eigenart bestimmen können. Aber, was wir können, ist mit ihm leben lernen. Dies gelingt nicht durch Ausgrenzung, sondern durch ein Einbeziehen. Das wissen wir am besten aus der Kindererziehung. Dies wissen wir aus der Soziologie. Dies wissen wir aus der Religion. Warum also ängstlich daheim sitzen, während wir ein Virus unser Leben bestimmen lassen? Erinnert dies nicht an andere Formen von Viren? Als sie damals begannen unser Leben zu bestimmen, endete es im ….. Sollten wir also nicht genauer hinschauen und neue Perspektiven im Umgang eröffnen im Sinne einer „Aus-ge-wogen-heit“!

Samstag, den 28. März 2020 „Gleichgewicht“

Heute Nacht im Traum enstand irgendwie das Wort „Gleichgewicht“ in mir.

Lady Justice, Rechtsgrundlage, Gesetz, Gerechtigkeit
Gleichgewicht

Daher möchte ich etwas über Gleichgewicht erzählen. Im Kinhin, der Gehmeditation der Zen-Praxis gehen wir, indem wir bei jedem Atemzug eine kleinen Schritt setzen mit einer halben Fußlänge nach vorne. Dabei wechseln logischerweise die Beine und Füße sich ab, mal links, mal rechts. Jedoch gibt es einen ganz besonderen Punkt, der gerade beim Kinhin zu erfahren ist. Es ist der Gleichgewichtspunkt, bevor ein Fuß rechts oder links ist. Genau der Punkt, wo sich unser Körper noch nicht entschieden hat, sondern genau die Mitte ist. Genau an diesem klitzekleinen Punkt, den wir oftmals kaum bemerken, existiert das Gleichgewicht, ohne dass wir uns dessen anstrengen müssten. Es ist bereits da.

Wanderer, Rucksack, Wanderung, Weg, Pfad, Bergwandern

Doch, was heißt eigentlich Gleichgewicht? Im normalen Gebrauch gehen wir davon, dass da ein oder mehrere Dinge sind, die gleich viel wiegen. Es gibt kein mehr oder weniger, sondern sie wiegen gleich. Übertragen wir dies jetzt auf unsere Situation mit einem Virus, dann lässt sich sagen, wenn wir von einem Gleichgewicht sprechen, dass diese Situation jetzt gleich viel wiegt oder wert ist wie jede andere Situation. Ein Geschäft macht Gewinn. Ein Geschäft macht Verlust. Wir betiteln das Gewicht in der Regel zu einer der Seiten – Gewinn-Verlust. Interessanterweise zeigt uns das Gehen unseres Körpers, dass es erstens immer diesen kleinen Augenblick der totalen Ausgeglichenheit gibt und zweitens, dass der Wechsel von rechts nach links, also von Gewinn und Verlust sehr schnell stattfindet. Da wir nicht stehen bleiben, befinden wir uns immer auf einer Seite, die sich jedoch ganz schnell wieder verändern kann. In diesem Sinne lässt sich sagen, dass jeder Virus stirbt oder in die Immunität geht und somit wieder ein Wechsel stattfindet. Ich persönlich finde es gerade wichtig, dass sich die Politik fragen muss, ob das Gleichgewicht möglichst groß gehalten wird. Bekommen alle die gleiche Zuwendung? Ist nicht jetzt die Offensichtlichkeit zu sehen, dass wir ein Grundeinkommen einführen müssen? Wir bräuchten dann kein Arbeitslosengeld, kein Kurzarbeitergeld, keine Sonderzuwendungen für Selbstständige, kein ALG, keine Frührente, keine Erwerbslosenrente, keine….. Wir würden nicht nur eine riesige aufgeblähte Verwaltungsmaschinerie beheben können; nein, wir würden damit auch ein Gleichgewicht schaffen zwischen Armut und Reichtum. Armut und Reichtum wäre gleich im Gewicht, das würde bedeuten, dass ein Austausch stattfindet.

Gleichgewicht, Maßstab, Gerechtigkeit, Gesetz, Richter
Armut und Reichtum im Gleichgewicht?

Denn, der der zu sehr zu einer Seite kippt, gleicht aus. Das heißt, geht die Waage Richtung Armut, bedeutet dies, dass Reichtum abgibt und zum Gleichgewicht beiträgt.

Leben, Schönheit, Szene, Natur, Landschaft, Erde, Wild
Der Ausgleich!

In unserer derzeitigen Gesellschaft ist es so, dass in der Regel Reichtum nicht beisteuert zum Gleichgewicht, sondern das Un-gleich-gewicht noch vergrößert. Z.B. Bankenkrise, Burnout-Situationen, ein Virus mit Namen Corona. Ein gesellschaftliches Gleichgewicht ist ein Garant für Frieden. Ein soziales Gleichgewicht ist ein Garant für eine sich selbst entwickelnde evolutionäre Gesellschaft. Ein psychisch-seelisches Gleichgewicht formt den Menschen in Friedlichkeit. Ein philosphisches Gleichgewicht ist ein Aufmerksam-Machen auf Ungleichgewichte, weil die Philosophie, wenn sie es ernst meint, nicht zu einer Seite kippt, sondern tatsächlich die Mitte im Auge hat. In diesem Sinne wünsche ich unserer Regierung und unseren Länderregierungen die Mitte im Auge zu haben, die, die für das Gleichgewicht unter Menschen steht. In diesem Sinne ist nicht nur ein Virologe, ein Mediziner, einer Ökonom, ein Steuerexperte, ein Bankenchef zu befragen, sondern tatsächlich auch ein Philosoph.

Montesquieu, Philosoph, Bordeaux
Montesquieu, französischer Philosoph, Aufklärer, Weltbürger, Erfinder der Gewaltenteilung im Staat, wurde häufig zitiert als 1948 das Grundgesetz in Deutschland entstand.

Ich stehe dafür gerne zur Verfügung…..

Donnerstag, den 26.03.2020 „Das große Ja“

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, lese ich gerade ein Buch über die Sufis. Heute morgen las ich über eine Sufi mit Namen Omar Khayyam. Man weiß nicht viel über ihn, schreibt Idries Shah. Das, was man von ihm weiß, ist vielfach nicht in Ganzheit durchdrungen und fehlerhaft in die literarische Welt gegangen. Aber ein Satz, sagt Idries Shah, gehe aus einem Gedicht von ihm hervor. Dieser Satz heißt: “ O ihr Ignoranten – der Pfad ist weder dies noch jenes!“

Dieser Satz erinnert ganz stark an Dogen Zenji und den Zen-Buddhismus. Immer, wenn wir meinen, wir hätten es gefunden, den Stein der Weisheit, so heißt es: Findest du Buddha, schlage ihm den Kopf ab. Ja, es ist weder dies noch das. Ja, in dem Moment, wo es auftaucht, ist es schon Vergangenheit. Ja, nicht daran hängen bleiben. Ja, zu diesem einzigartigen Augenblick, auch dem Augenblick von Völkern in der Welt mit einem Virus. So gerne wir dies nicht hätten, sondern lieber wieder unsere „Normalität“ hätten, so ist es dennoch ein Augenblick, der genau so gerade existiert. Es gilt dies in allem zu achten und keine Urteile für oder gegen auszusprechen. Zuzuhören ist eine gute Eigenschaft. Sich selbst und anderen. Der Philosoph Ralph Waldo Emerson sagte einmal, als man ihm vorwarf, er sei nicht philosophisch genug, weil er sich mit den einfachen Menschen auf der Straße unterhalte und ihnen zuhöre, dass genau das es wäre, wodurch er sehr viel gelernt habe. In der jetzigen Phase, in der nicht so viele Menschen aufeinandertreffen, ist ein Wort ein Tropfen in einem See. Hören wir ihnen zu. Den weniger Worten. Schauen wir zu. Dem weniger Tun. Schmecken wir diese Zeit, mit dem Geschmack von mehr frisch gebackenen Kuchen und Plätzchen. Gestern frisch gebackene Orangen-Schokokekse. Ich liebe sie. Riechen wir in dieser Zeit wieder mehr den Frühling, weil Zeit, unsere Zeit, wieder eine individuelle Dimension ist, wie sie es schon immer war, ist und sein wird. Nun neu entdeckt.

Mittwoch, den 25. März 2020 „Individualität- die Essenz eines Menschen

Fallzahlen und Sonderberichte über die virale Welt des Virus mit Namen Corona und deren Auswirkung auf uns, stellen uns Medien zur Verfügung. Im Robert Koch Institut können wir uns aktuell informieren. Doch all diese Funktionen lassen übersehen, dass da noch etwas ist, was irgendwie aus dem Blick gerät. Dies ist Individualität. Wie kann ich mich erdreisten in derartigen Zeiten von Individualität zu sprechen, wo doch jetzt Gemeinsamkeit gefragt ist? Interessanterweise ist dies nur ein scheinbarer Widerspruch.

Idries Shah, Die Sufis, 1981, S.145
“ Das ich ist in einem Sinne die Persönlichkeit des Menschen, die dazu da ist, mit den äußeren Anstößen umzugehen und sie zur eigenen Befriedigung zu benutzen. Aber es steht auch für die innere und essentielle Eigenschaft eines Individuums. In dieser Eigenschaft ändert seine ….Funktion. Gelingt es dieser Essenz, das emotionale Leben angemessen zu regeln und Verwirrung zu vermeiden, so nennt man sie das Friedvolle Ich.“

Das friedvolle Ich ist das Ich, das jetzt ein jeder von uns benötigt. Dies kommt nicht von außen, sondern von innen. Es ist sozusagen der Zugang zur eigenen Essenz. Essenz ist das Seiende, das Wesentliche, der Kern. Jeder Mensch hat diese Essenz in seiner eigensten individuellen Form und in der gemeinsamen Essenz des Menschseins. Gerade jetzt ist es möglich, wo kein Weg zuviel gemacht wird, wo es uns nirgendwo hin schwemmt, wir kein Sportstudie aufsuchen müssen oder oder oder. Gerade jetzt können wir den Weg zu uns selbst gehen. Den Weg zu unserer eigenen Essenz.

Ich wurde gebeten mit Mitarbeitern einer Seniorenanlage zu sprechen, die erlebten, dass eine Heimbewohnerin sich das Leben nahm durch einen Sprung aus dem Fenster. Ich fragte sie, ob ein jeder sich an die Essenz dieser Bewohnerin erinnern könne, ob die Bewohnerin ihn etwas mitgegeben hat, was vielleicht zu erfahren und zu lernen sei. Sie konnten sich nicht erinnern.

Das ist es. Ein jeder Mensch, der uns begegnet, hält uns seine Essenz und damit die Essenz des Menschen und der Menschlichkeit entgegen. Wir können hinschauen, weil wir so mit unserem eigenen beschäftigt sind. Wir können aber gerade in diesen Zeiten wieder lernen, neu hinzuschauen und diese Essenz neu für uns selbst als unsere eigenste Essenz des Menschlichen entdecken.

Was können wir nun voneinander lernen? Vor allem, was können wir von einem Virus lernen, der sagt: Hier bin ich und das tue ich? Wie steht es bei uns mit dieser Frage: Hier bin ich und das tue ich?

Die Essenz hat Beachtung verdient, denn sie ist das Podest auf dem wir wachsen.


Montag, den 23.März 2020 „Der Mensch ist sein eigener Boss“

Maturana und Varella, zwei chilenische Neurobiologen schreiben in ihrem Werk, dass eine Zelle in einem Milieu driftet, aber dass keine Zelle von einem Milieu bestimmt wird. Jede Zelle bestimmt sich ganz allein, d.h. was eine Zelle aus ihrem Milieu aufnimmt, entscheidet sie selbst. Übertragen wir das auf unsere jetzige Situation, bedeutet das, dass der Mensch in einer Gesellschaft mit einem Virus lebt, der viele Menschen krank macht und auch töten kann, aber es bedeutet auch, dass jeder Mensch selbst entscheidet, wie er mit sich, der Welt und dem Virus umgeht. Er ist nicht gezwungen ihn anzunehmen. Dies sind seltsame Worte, aber Wissenschaftler haben dies auf Zellebene erforscht und erkannt. Ein Virus ist eine Zelle. Der menschliche Körper besteht aus Zellen. Das Wichtigste ist sich seines eigenen Vertrauens zu bedienen. Ein spanischer Arzt sagte jetzt in einer Youtube-Ansprache: Bitte vertraut eurer Intuition. Ihr wisst, wann ihr krank seid und ihr wisst, wann es nur eine einfach Erkältung ist. In diesem Sinne vertraut euch selbst, den Anderen, der Welt und auch dem Virus, der seine Lebendigkeit uns allen zeigt, der aber wie wir alle auch, sterben muss.

Sonntag, den 22. März 2020   „Das Sutra Sandokai“

Ich möchte euch noch einmal eine Stelle aus dem Sutra mit Namen Sandokai vorstellen, das von der Harmonie von Verschiedenheit und Gleichheit spricht.
Es sagt: „Feuer erhitzt, Wind bewegt, Wasser näßt, Erde ist fest.“
Was heißt das auf unsere Situation übertragen?
Ja, da ist ein Virus, das Feuer erhitzt, Fieber macht, uns Menschen feurig in unseren Meinungen und Ansichten, auch Ängsten macht. Ja, da ist das Virus, das durch die Luft übertragen wird, der Wind, der es bewegt und uns mit. Wir fühlen uns hin-und hergeworfen. Ja, das Virus sorgt für Antikörper in unserem Körper, d.h. in unseren Körperflüssigkeiten bilden sich Stoffe, die uns helfen in Zukunft mit ihm zu leben – Wasser näßt. Ja, und wo findet dies alles statt, ja, hier auf dieser Erde- einem wundervollen Planeten, den der Mensch kreiiert. Jetzt kreiert er diese Aufgabe, für was und wen auch immer, aber „Die Erde ist fest.“. Sie ist stabil. Sie trägt uns. Wir tragen die Erde in uns, sie ist mit uns und formt sich durch uns. Ja, die Erde trägt. Sie ist fest, das sollten wir nicht vergessen. Die Erde sagt nicht, dass sie dies oder jenes nicht mag oder dass sie es mag. Sie tut einfach, was zu tun ist. Wir Menschen können dabei helfen. Wir lassen unsere Körper seine Arbeit tun und langsam und sicher Antikörper bilden, die wiederum für Impfstoffe für Risikogruppen verwendet werden können. Wir lassen unseren Geist seine Arbeit tun und verlieren uns nicht in Angst, sondern im Vertrauen, dass unsere Erde fest ist und wir können dies mit einem stabilen Geist unterstützen. Einem menschlichen Geist, der sich vertraut, der Erde vertraut und somit den Anderen, die immer schon da sind.
„Erde ist fest.“ sagt das Sandokai, das von der Harmonie der Verschiedenheit und Gleichheit spricht!

Samstag, den 21. März 2020 „Harmonie von Gleichheit und Verschiedenheit“

Es gibt im Zen-Buddhismus ein Sutra, das heißt ein Text, der gesprochen wird, der „Sandokai“ heißt. Dieser Text beschreibt die Harmonie von Verschiedenheit und Gleichheit.
  Ich zitiere: „Dunkelheit und Helligkeit wechseln einander ab wie beim Gehen der vordere und der hintere Fuß. Jedes Phänomen hat seinen Wert.“
Ein Mensch und ein Virus. Leben und Tod. Dunkelheit und Helligkeit. Glück und Unglück. Liebe und Hass.
Sie gehen einander so schnell in einander über wie der vordere Fuß den hinteren Fuß setzt. Beides ist gerade hier und im nächsten Moment löst es sich auf. Doch, jedes dieser Phänomene hat seinen eigenen Wert.
Der Mensch und seine Bakterien und Viren sind so alt wie die Menschheit. Sie wissen vieles. Vieles davon liegt im Verborgenen. Nun, können wir einiges lernen, weil es begegnet uns offen. Ein Virus erzählt seine Lebensgeschichte bis zu Tod. Dabei begegnet jeder Mensch ihm unterschiedlich, weil jede Begegnung ist ein eigenes Phänomen, das es zu achten gilt. Was lernen wir wirklich? Vom Virus? Vom Mensch? Vom Baum? Von der Blume? Vom Spiegel?